Im Rahmen des StayConnected@HHU Programms
besuchte Dr. Goranka Rocco das Institut für Romanistik der HHU

Dr. Goranka Rocco lehrt und forscht seit 2012 am Department of Legal, Language, Interpreting and Translation Studies der Universität Triest als ricercatrice und prof. aggregato für deutsche Sprache und Übersetzung. Im Jahr 2003 promovierte sie am Institut für Romanistik der HHU und war dort zwischen 2003 bis 2006 als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig.

Im Rahmen des StayConnected@HHU Programms von JUNO verbrachte Dr. Rocco im Juni 2017 einen zweiwöchigen Forschungsaufenthalt am Institut für Romanistik der HHU.

Zusammen mit ihrer Kooperationspartnerin Dr. Martina Nicklaus, Institut für Romanistik, arbeitet sie am Forschungsprojekt "Zur Übersetzung fingierter Mündlichkeit aus lexikalischer, syntaktischer und pragmatischer Perspektive. Eine korpusbasierte Studie". Sie untersuchen fingierte Mündlichkeit, also die bewusste Aufnahme nähesprachlicher Merkmale in literarischen Texten, und nehmen Beispiele davon im Korpus auf, sodass ein detaillierter Vergleich zwischen Originaltexten und deren Übersetzungen möglich ist und bestimmte sprachliche Strukturen aus kontrastiver sowie translatologischer Perspektive erforscht werden können.

Dr. Goranka Rocco, Foto: © Goranka Rocco

Ihre Zusammenarbeit mit dem Institut für Romanistik und mit Frau Dr. Nicklaus besteht schon seit einigen Jahren. Wie sieht diese Zusammenarbeit genau aus?

Frau Nicklaus und ich kennen uns schon seit meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Herrn Prof. Schafroth und sind schon seit einigen Jahren in engem Kontakt. So war ich z.B. im Rahmen des Erasmus+ Programms und auch auf Einladung von Frau Nicklaus als Gastdozentin am Institut für Romanistik tätig, und auch Frau Nicklaus hat im Rahmen der Teaching staff mobility in Triest gelehrt, darüber hinaus war ich aufgrund anderer Projekte und der Fachliteraturrecherche immer wieder an der HHU. Wir sind bereits vor einiger Zeit auf die Idee einer fachlichen Zusammenarbeit gekommen, da sich unsere Forschungsschwerpunkte im Bereich Literaturübersetzen wunderbar ergänzen: Frau Nicklaus setzt sich v.a. mit den Fragen zur Gestaltung auf den Ebenen Syntax und Informationsstruktur auseinander; bei mir geht es mehr um die lexikalischen und variationslinguistischen Aspekte, z.B. die Übersetzung von Euphemismen, Dysphemismen, Metaphern, Hyperbeln usw. und von soziolektalen und dialektalen Elementen. Einige Fragestellungen konnten wir bereits gemeinsam erforschen, und dank der Förderung ließ sich jetzt ein abgeschlossenes Projekt realisieren.

Was hat Sie dazu bewogen, sich für das Forscher Alumni Programm zu bewerben?

Wir wussten, dass wir einen längeren gemeinsamen Aufenthalt an einem Arbeitsort brauchen, um mit dem Projekt voranzukommen. Da es sich hier um ein interdisziplinäres, germanistisch-romanistisches Projekt handelt, kamen nicht so viele andere Förderprogramme in Frage. Frau Nicklaus hat das Angebot des Forscher Alumni Programms entdeckt und es hat perfekt gepasst.

Können Sie uns ein wenig über Ihre Studie zur Übersetzung von fingierter Mündlichkeit erzählen?

Konkret hatten wir die Idee, uns für die letzten zehn Jahre die Träger von drei wichtigen Literaturpreisen (Premio Strega, Prix Goncourt, Büchner-Preis) mit den jeweiligen deutschen, italienischen bzw. französischen Übersetzungen anzusehen. Für die erste Phase haben wir das Korpus auf die Übersetzungen ausgewählter Strega-Preisträger ins Deutsche und ins Französische eingeschränkt und werden jeweils die Teile der Werke, die sich unter dem Gesichtspunkt der fingierten Mündlichkeit als besonders interessant für das Projekt erwiesen haben, ins Korpus aufnehmen. Ein besonders interessantes Beispiel ist Antonio Pennacchis Canale Mussolini.

Unser Ziel ist es, alle diese Daten zu systematisieren, um ein nachhaltiges Korpus zu erstellen, mit dem man auch unabhängig von unseren Fragestellungen in der Forschung und Lehre, d.h. Übersetzungsdidaktik arbeiten kann. Nur leider wird es, aus urheberrechtlichen Gründen, nicht öffentlich zugänglich sein. Am Ende wird es möglich sein, das Korpus nach bestimmten Kriterien zu durchsuchen und sich dann die entsprechende Übersetzung davon anzeigen lassen. Besonderen Wert legen wir darauf, dass das vorhandene Korpus nach und nach um weitere Sprachen und Werke erweitert werden kann, also eine nachhaltige und ausbaufähige Grundlage bildet.

Inwiefern profitiert Ihre Studie von Ihrem Aufenthalt an der HHU?

Zuerst trägt die Möglichkeit, zusammen zu arbeiten, d.h. uns tagtäglich direkt abzusprechen statt etwa lange Emails zu schreiben, wesentlich zum Projekt bei. Aus meiner aktuellen Perspektive ist außerdem das, was deutschen Forschern an Infrastrukturen und Möglichkeiten der Literaturrecherche zur Verfügung steht, im internationalen Vergleich von ganz besonderer Qualität. Das HHU-System ist sehr gut organisiert und unkompliziert, was einem erlaubt, besonders effizient zu arbeiten. Und schließlich bedeutet eine Beurlaubung zu Forschungszwecken auch, dass ich für zwei Wochen einen gewissen Abstand von den üblichen institutionellen Aufgaben und Lehrverpflichtungen habe und daher schneller und konzentrierter an unserem Projekt arbeiten kann.

Rechnen Sie mit konkreten Ergebnissen während Ihres Forschungsaufenthalts? Wie sehen diese aus?


Das Erste, was wir anvisiert haben, ist einen Aufsatz in einer internationalen Fachzeitschrift zu publizieren, in dem wir die ersten Ergebnisse präsentieren. Dies wird sowohl unserer Zusammenarbeit als auch dieser wunderbaren Gelegenheit des Forscher Alumni Programms mehr Prominenz geben.

Gibt es bereits Pläne für eine zukünftige Zusammenarbeit mit der HHU?

Ich bin sehr dankbar für diese einmalige Gelegenheit und würde natürlich gerne wiederkommen! Frau Nicklaus und ich wollen auf jeden Fall eine weitere Gelegenheit finden, um auch in Zukunft weiter zusammenarbeiten zu können. Denn die Idee ist auch, wie bereits erwähnt, das Korpus auszuweiten und auch ein größeres Forschungsprojekt aus Drittmitteln zu beantragen. Doch sind alles zunächst Zukunftswünsche, die wir noch ausformulieren müssen.

Das Interview mit Frau Rocco führte Susana Mogollón im Juni 2017.

Zur Person

Dr. Goranka Rocco

Abschlüsse

1995
- Diplomstudium der französischen und deutschen Sprache und Literatur an der Universität Zagreb

1996
- Gerichtsdolmetscher- und Gerichtsüber­setzerprüfung für Deutsch, Französisch und Englisch am Zagreber Kreisgericht

2003
- Promotion an der HHU, Rigorosum in den Promotionsfächern: Romanistische und Germanistische Sprachwissenschaft, Romanistische Literaturwissenschaft
Dissertation
: "La Réunion: Sprachattitüden franko-kreolophoner Adoleszenten".

Gemeinsame Publikationen mit der Romanistik der HHU

Rocco, G.: "Schlagwörter zwischen Diskurs und Lexikon", in: Nicklaus, M. et al. (eds.), Lexeme, Phraseme ... Konstruktionen: Aktuelle Beiträge zu Lexikologie und Phraseologie, Frankfurt (Lang).

Rocco, G./Schafroth, E. (eds.): Methoden der vergleichenden Diskurslinguistik (erscheint im Lang-Verlag).

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