Im Interview mit Anne Latz, Doktorandin der Medizin

Hintergrund: Nach ihrem Bachelorabschluss im Fach BWL an der LMU München hat sich Anne Latz dazu entschieden das Zweitstudium der Medizin neben einem Master in BWL an der HHU zu beginnen. Im Interview erzählt Sie über diese außergewöhnliche Fächerkombination und berichtet über ihren Auslandsaufenthalt in Boston am Brigham and Women´s Hospital der Harvard Medical School.

Anne Latz, Doktorandin der Medizin

Wie genau sieht Ihr akademischer Werdegang aus?
Mein Werdegang ist vielleicht nicht so typisch wie bei anderen Medizinstudenten. Ich habe nach dem Abitur 2008 mit dem Bachelor BWL an der LMU in München begonnen. Während dieser Zeit war ich für ein Erasmussemester in Paris. Nach dem Bachelor habe ich mir dann die Frage gestellt, wie es weiter gehen soll und habe mich dann spontan für das Medizinstudium in Düsseldorf beworben und noch für ein paar weitere Masterstudiengänge. Obwohl ich zuvor BWL studiert habe, hatte ich Interesse am Studiengang der Medizin und ich habe mich dazu entschieden, dieses neben meinem Master BWL als Zweitstudiengang zu beginnen. Ziemlich schnell war klar, dass ich mein Augenmerk auf Medizin legen möchte, dennoch habe ich auch weiterhin meine Masterprüfungen in BWL absolviert und letzten Sommer meine Masterarbeit geschrieben. Nach dem Physikum habe ich dann zeitnah meine Doktorarbeit in Neurowissenschaften am Forschungszentrum Jülich begonnen und ich werde voraussichtlich im Frühjahr 2016 fertig.  

Betriebswirtschaftslehre und Medizin? Wie kamen Sie an diese Kombination? Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?
In der Praxis kommt es immer häufiger vor, dass Ärzte nach ihrem Studium ein MBA  machen, weil die Verwaltungsaspekte immer größer werden. Ich hab selber gemerkt, dass die Denkweisen der Studierenden in den beiden Studiengängen sehr unterschiedlich ausfallen können. Daher ist es sicherlich hilfreich, dass sich Ärzte mit betriebswirtschaftlichen Aspekten auseinander setzen. Andersherum ist es ebenfalls gut, wenn man in der Verwaltung einer medizinischen Einrichtung tätig sein möchte,  Wissen über die Kombination aus beiden Themengebieten zur Verfügung zu haben.

Welche Ziele haben Sie für ihren beruflichen Werdegang? Wo soll es hin gehen?
Im Moment möchte ich mir die verschiedenen Bereiche offen lassen. Ich weiß noch nicht ob ich später als Ärztin tätig sein werde, oder vielleicht doch in einer beratenden Funktion in der Wirtschaft arbeiten möchte. Durch meine Arbeit beim Thieme Verlag kommt dann noch die journalistische Tätigkeit hinzu, die ebenfalls sehr interessant ist. Was ich also machen möchte ist die große Frage. Meine Gedanken dazu ändern sich auch ständig, doch bin ich optimistisch, dass sich zum richtigen Zeitpunkt das richtige für mich findet.

Sie sind gerade aus Boston zurück, haben eine Famulatur (Praktikum im Rahmen des Medizinstudiums) in Harvard absolviert. - Welche Erfahrungen bringen Sie mit?
Ich war für einen Monat am Brigham and Women´s Hospital der Harvard Medical School Boston. Dort war ich in der Abteilung für plastische Chirurgie. Für mich war es sehr spannend, dass amerikanische System kennen zu lernen. Der Umgang zwischen Pflegepersonal und Ärzten ist weniger durch hierarchische Strukturen bestimmt als bei uns in Deutschland. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Krankenschwestern in Amerika ebenfalls 3-5 Jahre Studium hinter sich haben und von der Qualifikation ganz anders aufgestellt sind als das bei uns der Fall ist. Als ausländische Studentin durfte ich zwar recht wenig aktiv tätig werden, dennoch habe ich viel durch Beobachtungen der einzelnen Vorgänge profitieren können. Auch im Umgang mit den Patienten sind mir Unterschiede aufgefallen. Während es bei uns typisch ist, dass sich Arzt und Patient vor einer Operation ausreichend kennenlernen können, ist es mir in Amerika sehr seriell vorgekommen. Darüber hinaus habe ich ein paar Einblicke in die Forschung bekommen können. Ich war oft im Tierforschungsbereich und dadurch wurde mir bewusst, wie speziell das Thema plastische Chirurgie ist und dass es dabei nicht nur um ästhetische Eingriffe geht, sondern auch um Verfahren wie bspw. Gesichtsrekonstruktionen oder die Behandlung schwerer Verbrennungen.

Wie sind Sie an die Famulatur in Harvard gekommen?
Wenn man vor hat in die USA zu gehen, sollte man sich rechtzeitig damit beschäftigen und sich frühzeitig um eine Stelle kümmern. Man darf sich auch nicht direkt abschrecken lassen, wenn man keine Rückmeldung bekommt. Ich habe es immer über mehrere Ecken versucht. Häufig auch über Leute die ich kenne und die sich vor Ort für mich umhören konnten. Ich hatte Glück, dass ich jemanden kenne, der als Postdoc an der Harvard Medical School beschäftigt ist und auf den ich dann in meiner Bewerbung verweisen konnte. Außerdem habe ich meinen Unterlagen Referenzen von meinem Doktorvater beigelegt, sodass ich schon einmal etwas nachweisen konnte.
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Über Ihre Erfahrungen in Boston haben Sie auch für den Thieme Verlag geschrieben. Wie kam es dazu, dass Sie Lokalredakteurin beim Thieme Verlag wurden? Was reizt Sie an dieser Tätigkeit?
In meiner Tätigkeit beim Verlag bin ich sehr flexibel und die Tätigkeit an sich basiert größtenteils auf freiwilligem Engagement. Ich mache das hauptsächlich aus Freude am Schreiben und möchte Erfahrungswerte mit anderen teilen. Während meiner Zeit in Boston hatte ich beispielsweise sehr viel Input und konnte das für meine Artikel verwenden. Durch das Schreiben kann ich dann meine Erlebnisse verarbeiten und automatisch auch für andere Leute zugänglich machen. Ich versuche die Artikel vielfältig und abwechslungsreich zu gestalten, daher kommt es auch mal vor, dass ich eine Zeit lang nichts schreibe und dann gibt es wieder Zeiten in denen ich von Events berichte oder Interviews führen konnte, über die ich dann schreibe. 

Sie sind Doktorandenvertreterin der medRSD - Wie profitieren Sie selber vom Angebot der medRSD?
Als Mitglied der Medical Research School habe ich einige Kurse besucht, die sehr hilfreich waren. Außerdem konnte ich bei den Vorbereitungen für die Eröffnungsfeier der HeRA die anderen Doktorandenvertreter der einzelnen Graduiertenakademien kennenlernen. Wir haben uns auf Anhieb verstanden und die Arbeit im Team war immer sehr inspirierend. Als Mitglied einer Graduiertenakademie fühlt man sich sicherer, da man offiziell den Status als Doktorand erhält und dort Ansprechpartner findet, die einem bei Fragen zur Seite stehen.

 

Das Interview führte Mareike Schulz im April 2015.

Zur Person

Anne Latz

Abschluss:
2014 - Master of Arts im Fach BWL an der HHU. 
Thema der Masterarbeit: "Einflussfaktoren auf Stressempfinden und psychische Gesundheit - Eine empirische Analyse"

gegenwärtig Studium der Medizin an der HHU

Thema der Doktorarbeit im Fach Medizin:
"Neuronale Korrelate alterbedingter Veränderungen der kognitiven Handlungskontrolle" Voraussichtliche Abgabe im Frühjahr 2016

Arbeitsgruppe: 
Prof. Dr. Simon B. Eickhoff, Institut für Neurowissen-schaften und medizinische Psychologie der HHU am Forschungszentrum Jülich

Zusätzliche Informationen:
März 2015: Famulatur in der Division of Plastic Surgery unter Elof Eriksson am Brigham and Women´s Hospital der Harvard Medical School Boston

Doktorandenvertreterin der Medical Research School

Lokalredakteurin beim
undefinedThieme Verlag

 

 

 

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