Im Interview mit Ben Kubo, Doktorand der Medizin

Hintergrund: Ben Kubo ist Doktorand der Medizin an der HHU Düsseldorf und Mitglied der Medical Research School. Zurzeit arbeitet er an seiner Dissertation zum Thema: "Der Zusammenhang zwischen muskuloskelettalen Erkrankungen in Depression in einer längsschnittlichen Betrachtung", die er voraussichtlich im Sommer 2016 fertigstellen wird. Im Juni 2015 hat er erfolgreich am Heine-Slam teilgenommen.

Ben Kubo, Doktorand der Medizin

Stellen Sie sich und Ihren akademischen Werdegang kurz vor
Mit meinem Medizinstudium habe ich zum WS 2008/2009 begonnen. Ich habe damals einen der begehrten Plätze bekommen und dann drei Jahre bis zum ersten Physikum gebraucht. Beim mir hat es etwas länger gedauert, weil ich mir etwas mehr Zeit gelassen habe. Der zweite Abschnitt verlief komplikationslos. Im November 2014 habe ich mein zweites Staatsexamen gemacht. Mein praktisches Jahr, das ich in Neuss absolvierte, hat sich direkt angeschlossen. Nach Beendigung folgte mein drittes Staatsexamen im November 2015.

Warum haben Sie sich für ein Medizinstudium an der HHU entschieden?
Zum einen wollte ich etwas hier in NRW haben, etwas hier in der Nähe. Ich denke die Uni Düsseldorf ist ein guter Standort für das Studium der Medizin, weil Düsseldorf eine tolle Stadt ist aber natürlich vor allem, weil die Studenten hier einen guten und strukturierten Leitfaden fürs Medizinstudium vorfinden. Wenn ich mich nochmal entscheiden müsste, würde ich wieder hier studieren.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem neuen Modellstudiengang Medizin gemacht?
Ich habe da kaum Berührungspunkte. Ich höre aber sowohl von Vor- als auch von Nachteilen. Ich halte das mit Sicherheit richtig, themenschwerpunktmäßig zu lernen. So wie ich es mitbekommen habe, ist das Studium nicht mehr so streng nach Fächern getrennt. Es wird alles nach Themenschwerpunkten angegangen. Wenn beispielsweise die Leber thematisiert wird, wird nicht nur die Anatomie gelernt, sondern alles in einem. Das hat Vorteile, da man zusammenhängender lernt.

Welche Vorteile hat für Sie die Mitgliedschaft in der medRSD?
Die medRSD war hilfreich, weil einem ein sehr strukturierter Werdegang an die Hand gelegt wird, woran ich mich gut orientieren konnte. Für mich war es sehr hilfreich, weil ich in gewisse Dinge hineingeschubst wurde, die für mich letztendlich sehr nützlich waren. Besonders gut war der Austausch zwischen den Studenten. Ich bin damals an die medRSD durch eine Infoveranstaltung mit Frau Kessen herangeführt wurden. Diese fand ich sehr gut und danach wollte ich ebenfalls Mitglied werden.

Ich habe auch an Kursen teilgenommen und muss noch ein paar Kurse machen. Mich haben besonders die Statistikkurse interessiert, da ich eine statistische Doktorarbeit schreibe. Daher finde ich es besonders wichtig, dass diese Kurse angeboten werden, da diese im Studium zu kurz kommen. 

Wo haben Sie Ihre praktische Zeit absolviert?
Ich war jetzt fast ein Jahr in einem der Uni angeschlossenem Lehrkrankenhaus, das Johanna-Etienne Krankenhaus in Neuss. Dort habe ich meine ganze Zeit verbracht. Diese gliedert sich in drei Abschnitte. In die innere Medizin, Chirurgie und in ein Wahlfach. Ich habe mich dort für die Orthopädie entschieden, da ich später Orthopäde werden möchte.

Die Platzzuweisung für das praktische Jahr läuft automatisch über die Universität. Man kann sich für einen Platz entscheiden, ist man jedoch nicht schnell genug, bekommt man einen zugewiesen. Es gibt Lehrkrankenhäuser oder auch Stellen an der Uni, ich wollte jedoch an einen externen Standort. Das Krankenhaus in Neuss war für mich eine interessante Institution, da der Chef der Klinik einen guten Ruf im Bereich der Orthopädie hat, was ausschlaggebend war.

Wo liegt Ihr Themenschwerpunkz, wie sind Sie dazu gekommen und womit befasst sich aktuell Ihre Dissertation?
Ich wollte etwas machen, wo ich operativ tätig bin. Das stand für mich immer an aller erster Stelle. Ich wusste ich muss etwas machen, wo ich meine Hände einsetzen kann. Das hat so ein bisschen einen handwerklichen Charakter, ohne das Ganze abzuwerten. In dem Moment, wo ich mich entschieden hatte etwas operatives zu machen, fallen viele Fächer raus. Allgemeinmediziner wollte ich auch nicht werden, sodass für mich klar wurde, es muss ein operatives Fach werden. Dann wollte ich mir aber auch die Möglichkeit nicht verbauen, mich zukünftig auch mal nieder zu lassen. Denn das Problem ist, wenn man sich dafür entscheidet beispielsweise Allgemeinchirurg zu werden, dann ist es relativ schwierig sich im Nachhinein nieder zu lassen. Man ist recht stark an eine Klinik gebunden und das wollte ich auch nicht. Ich finde das Muskelskelettsystem sehr interessant und von daher war es für mich klar, es kann nur die Orthopädie/Unfallchirurgie werden.

Ich möchte den Zusammenhang zwischen Erkrankungen des Muskel-Skellet-Systems und der Depression herstellen. Die Literatur sagt, dass beide Phänomene gehäuft zusammen auftreten. Man hat aber noch nicht herausgefunden, inwiefern sich diese beiden Krankheiten beeinflussen. Meine Doktorarbeit beschäftigt sich damit dies herauszufinden.

Sie waren als Vertreter der Medizinischen Fakultät Teilnehmer am ersten interfakultären Heine SlamWas waren Ihre Eindrücke? Hätten Sie Spaß an einer Fortsetzung?
Ich mache das in meiner Freizeit sehr gerne. Ich wollte schon immer mal bei einem Science Slam mitmachen, habe aber nie Zeit gefunden oder die Anmeldungen verpasst. Ausschlaggebend war, dass die Mediziner einen Science Slam angeboten haben. Besonders reizvoll ist dabei die „Konkurrenz“ zwischen den unterschiedlichen Fakultäten gewesen. Da dachte ich mir, ich mache dort mal mit und gucke, was dabei rum kommt. Das hat anscheinend gut funktioniert.

Die ganze Veranstaltung war überwältigend. Die Vorrunden waren recht klein besetzt, aber das Finale war Wahnsinn. Der ganze Hörsaal war voll. Bei einer Wiederholung wäre ich auf jeden Fall gerne wieder dabei.

Wie solle es bei Ihnen nach Ihrer Promotion weitergehen?
Ich möchte auf jeden Fall die Facharztausbildung zum Orthopäden und Unfallchirurgen machen. Das ist schon immer meine Leidenschaft gewesen. Ich stehe momentan in einigen Verhandlungen mit Kliniken und da wird sich das dann kurzfristig für mich entscheiden, wie es konkret weiter geht.

Können Sie sich vorstellen nach Ihrem Studium mit der HHU/medRSD in Verbindung zu bleiben?
Ich schließe es nicht aus. Ich könnte mir gut vorstellen, im Rahmen meiner Tätigkeit als Arzt weiterhin forschend tätig zu sein. Ich denke nicht, dass es für mich in die eine oder in die andere Schiene geht. Ich möchte klinisch tätig sein, fände es aber auch sicherlich spannend weiterhin zu forschen. Was ich mir jedoch nicht vorstellen könnte ist, dass ich Forschung alleine betreibe.

Das Interview führte Mareike Schulz im November 2015.

 

 

 

Zur Person

Ben Kubo

Abschluss:
1. Staatsexamen 2011
2. Staatsexamen 2014
3. Staatsexamen 2015

Thema der Doktorarbeit im Fach Medizin:
"Der Zusammenhang zwischen muskuloskelettalen Erkrankungen in Depression in einer längsschnittlichen Betrachtung" Voraussichtliche Abgabe im Sommer 2016

Doktorvater: 
Prof. Dr. Nico Dragano, Institut für Medizinische Soziologie der HHU Düsseldorf
Dr. Simone Weyers, Institut für Medizinische Soziologie der HHU Düsseldorf

Zusätzliche Informationen:
November 2014 - Oktober 2015: Praktisches Jahr am Johanna-Etienne-Krankenhaus in Neuss

Teilnahme am undefinedHeine-Slam 2015 als Gewinner des Fakultätsentscheids in der Medizin

Mitglied der undefinedMedical Research School Düsseldorf

Verantwortlich für den Inhalt: Junior Scientist and International Researcher Center