Dr. Christian Schwarz - Preisträger des deutschen Studienpreises und Gründer im Bereich biotechnologische Peptidherstellung

Hintergrund: Christian Schwarz hat 2005 mit dem Bachelor Studium in Biochemie an der HHU begonnen. Während dieser Zeit war er für drei Monate in Amerika im Rahmen eines "Research Associate Programs". 2008 hat er sein Masterstudium begonnen und ist parallel in die Fast-Track Promotion eingestiegen. Nachdem er seine Pflichtmodule im Master absolviert hatte, ist er direkt und ohne Masterabschluss in die Promotion eingestiegen. Seine Promotion am Institut für Biochemie lief unter der Leitung von Prof. Dr. Lutz Schmitt.

Dr. Christian Schwarz, Preisträger des Deutschen Studienpreises der Körber-Stiftung, Foto: David Ausserhofer

Akademischer Werdegang
Während meiner Promotion habe ich im Bereich Biotechnologie gearbeitet, weil dort gewisse Forschungsergebnisse ein Potential für die Anwendung erahnen ließen. Seitdem beschäftige ich mich in Vollzeit am Institut für Biochemie mit diesem Thema. Ich habe immer versucht meine eigenen Mittel einzuwerben und ich hoffe, dass in ca. 12 Monaten der Übergang von dem akademischen in Richtung privatwirtschaftlichem Umfeld gelingen wird.

 

Ihr Doktorarbeit ist mit dem Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichnet worden. Was bedeutet dieser Preis für Sie und Ihre Arbeit? Wie genau läuft das Verfahren ab? Muss man sich für den Preis bewerben?
Mir bedeutet dieser Preis sehr viel und ich hätte auch nicht damit gerechnet, dass ich diesen Preis gewinne. Ich denke auch, dass er mir gewisse Reputationsvorteile verschafft. Man kann es zwar schlecht quantifizieren, aber dadurch werde ich häufiger eingeladen und meine Arbeit hat einen höheren Stellenwert bekommen. Der Preis ist sehr renommiert und das ist sicherlich hilfreich für mich und meine Arbeit.

Ich habe mich nicht aufgrund eines Vorschlages für den Preis beworben, sondern initiativ. Unterstützung erhielt ich durch die Empfehlungsschreiben meines Doktorvaters und zweier weiterer Professoren. Ich habe außerdem einen Text verfasst, ca. 14 000 Zeichen, der nicht wissenschaftlich ausgerichtet war, sondern die Idee des Körber-Preises vertritt. Dabei ging es darum, meine Forschungsergebnisse und deren gesellschaftliche Relevanz darzustellen. Ich habe Technologien entwickelt, mit denen sich Peptide besser herstellen lassen. Peptide sind recht teuer und wenn diese günstiger hergestellt werden können, hat das eine entsprechende Relevanz.

Bundestagspräsident Prof. Dr. Nobert Lammert und Dr. Christian Schwarz bei der Preisverleihung des Deutschen Studienpreises der Körber-Stiftung 2013, Foto: David Ausserhofer.

Wo genau liegt Ihr gegenwärtiger Forschungsschwerpunkt?

Es gab während meines Studiums viele Richtungen in die sich meine Forschung hätte entwickeln können. Begonnen habe ich meine Forschung im Bereich RNA-Forschung. Dieses Thema fand ich spannend und auch die Methoden dahinter. Für die Promotion habe ich mich dann doch eher für Proteine interessiert. Ein Vorteil war dabei, dass ich durch mein Studium das ganze Institut für Biochemie der HHU schon kannte und dort eine gute Arbeitsatmosphäre herrscht. Das Institut hat zudem eine gute Ausstattung bezüglich Maschinen und Infrastruktur. Mir war es wichtig, dass ich mich bei meiner Arbeit wohlfühle und das wusste ich, ist für mich in Düsseldorf gegeben.

Zunächst war es meine Absicht zu promovieren, um hinterher einen guten Job in der Wirtschaft zu bekommen. Zeitgleich konnte ich mir jedoch auch immer vorstellen, mich selbstständig zu machen. Im Bereich der Naturwissenschaften/Life Siences benötigt man eine Technologie ansonsten ist eine Selbstständigkeit eher schwierig. Zufällig war es während meiner Promotion dann so, dass in meiner Arbeit eine technologische Grundlage entstand, auf die ich aufbauen konnte. Da bin ich immer noch dran. Das Schlagwort „Grundlagenforschung“ trifft bei mir jetzt nicht mehr so ganz zu, da ich momentan versuche diese Technologie, die im Labormaßstab gut funktioniert, weiter zu entwickeln und in die industrielle Produktion zu überführen.

War es hauptsächlich eine Einzelarbeit oder gab es auch Teamarbeit?
Während meiner Promotion war ich tatsächlich ein Einzelkämpfer. Natürlich konnte man sich in der Arbeitsgruppe Feedback einholen und sich austauschen, aber an den Technologien habe ich alleine gearbeitet. Im Anschluss an meine Promotion lag es an mir Geld zu organisieren, um mich zu finanzieren, aber auch ein Team um mich herum aufzubauen, damit es besser vorwärts geht. Das ist mir anfangs nicht so gut gelungen. Erst seit Oktober 2015 habe ich ein Team von insgesamt sechs Leuten.

Was ist das Besondere an der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Schmitt? Was finden Sie besonders gut?
Was mir besonders gut gefallen hat war, dass Prof. Dr. Schmitt einem sehr viele Freiheiten lässt in Bezug auf die eigene Forschung. Natürlich gibt es Situationen, wo er hier und da mal auf ein Experiment besteht, aber generell hat man bei ihm sehr viele Entfaltungsfreiheiten. Ich glaube, auch nur deswegen kann es gelingen Themen zu entwickeln, die eigentlich streng genommen nicht zu seiner Forschung gehören. Er ist eigentlich Grundlagenforscher und keiner der Biotechnologien entwickelt und diese kommerziell verwertet. Er achtet viel mehr darauf, dass das wissenschaftliche Niveau stimmt und dass die Forschung einen gewissen Reifegrad und die entsprechende Qualität hat.
Innerhalb der Arbeitsgruppe tauscht man sich aus und macht gemeinschaftliche Aktivitäten. Bezüglich der eigenen Forschung lässt man die Gruppe in Form von Präsentationen daran teilhaben und holt sich andere Meinungen ein.

Sie möchten Ihre Forschung zur Anwendung bringen. Dafür haben Sie und Ihr Team finanzielle Unterstützung vom EXIST-Programm der HHU und Innovationspreise erhalten. Wie schafft man es, seine Forschung für die Industrie bekannt zu machen und echte Verbindungen zu knüpfen?
Das wichtigste dabei ist die Netzwerkarbeit. Ich bin häufig auf Konferenzen gewesen, habe Präsentationen gegeben, war auf Veranstaltungen, wo man mit den Leuten ins Gespräch kommt und nicht selten wird man auch direkt angesprochen. Dann ist immer die entscheidende Frage, wie man nachweist, dass das, was die Technologie kann, auch für die Industrie von Nutzen ist.

Dafür muss man der Industrie oft kostenlos oder kostengünstig beweisen, dass die Technologie funktioniert. Und so kommt man dann peut à peut mit mehr Leuten in Kontakt und wird ernst genommen.

Da Anträge für finanzielle Unterstützung und den Aufbau eines Teams erst dann bewilligt werden, wenn man einen gewissen Reifegrad hat, musste ich im Alleingang Netzwerken und in Kontakt mit der Industrie treten. Nur mit einer grundlagenentwickelten Technologie aus dem Labor, bekommt man die Anträge nicht bewilligt.

Kürzlich haben Sie gemeinsam mit der Firma Henkel 1 Mio € für 2 Jahre gemeinsame Forschung einwerben können – das ist ein wichtiger Meilenstein für Sie und Ihre Arbeit.
Diese Förderung haben wir für ein separates Förderprojekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erhalten. Wir werden im Rahmen des Ideenwettbewerbes gefördert. Das zwei-jährige Projekt ist im November 2015 gestartet. Es geht darum, dass meine Technologie eingesetzt wird, um Peptide herzustellen.  Wir liefern Peptide, die uns von Henkel vorgegeben werden und danach daraus ein Produkt weiter entwickelt. In den nächsten zwei Jahren ist angedacht, dass die Produktidee, die Henkel hat, als Prototyp angefertigt wird.

Wie wird das aktuelle Projekt den Transfer in die Anwendung unterstützen? Was sind ihre weiteren Pläne?
Es ist ein Projekt, das irgendwann in einem Start-up münden soll. Die Technologien sollen verwertet werden und das kann man nicht an der Universität. Die Fördermittelgeber geben mir das Geld jedoch jetzt, weil die Technologien noch nicht fertig sind, um ein Startup zu bilden. Der Antragssteller ist in diesem Fall die Universität und ich bin der Projektleiter. Das bedeutet, dass die Universität die Fördergelder verwaltet. In diesem Forschungsstadium, in dem ich mich momentan befinde, bin ich auch noch an der Universität und nutze die Laboratorien. Unser Gründerbüro wird ebenfalls von der Universität getragen. Wenn die Forschungsfortschritte so aussehen, wie wir uns das erhoffen, dann ist die Technologie in ca. einem Jahr reif, um privatwirtschaftlich werden zu können. Das bedeutet man hat einen Reifegrad erreicht, um Investoren überzeugen zu können, dass die Technologien so gut sind, dass sie in der Industrie eine Chance haben. Wenn das erreicht ist, dann soll auch der Schritt gelingen, die Laboratorien an der Universität zu verlassen und bspw. im Lifesience Center Laboratorien zu beziehen. Erst dann kann man als Start-up ernst genommen werden.

Wie schätzen Sie insgesamt die Bedingungen für Ihre Forschung und den Transfer an der HHU ein?
Die HHU ist eine Gründungeruniversität. Man kann auf zahlreiche Unterstützer zurückgreifen, die ihr Know-How zur Vergügung stellen, wie man gründet und wie man solch einen Schritt vorbereitet. Wichtig waren hier vor allem die Düsseldorfer Innovations- und Wissenschaftsagentur (DiWA), das Center for Entrepreneurship Düsseldorf (CEDUS), die Abteilung Forschung und Transfer der HHU. Das bezieht sich auf den Gründungsprozess, weniger auf die Forschung selbst.
An der HHU ist momentan viel in Bewegung; man versucht sich besser aufzustellen auch in den lebenswissenschaftlichen Bereichen. Das ist gut, da die HHU in diesem Bereich eine forschungsstarke Universität ist.

Das Interview führte Mareike Schulz im Februar 2016.

 

Zur Person

Dr. Christian Schwarz

Abschluss:

2008 - Bachelor in Biochemie

Thema der Bachelorarbeit:
"Fluoreszenzspektroskopische Charakterisierung der Interaktion zwischen der intrazellulären Crumbs-Domäne und Proteinen mit spezifischen PDZ-Domänen von Srosophila melanogaster."

2012 - Fast-Track Promotion in Biochemie

Thema der Dissertation:
"The Haemolysin A Type 1 Secretion System of Escherichia coli - Characterization and Biotechnological Application."

Arbeitsgruppe:
Prof. Dr. Lutz Schmitt, Institut für Biochemie an der HHU Düsseldorf

Auszeichnungen

undefinedDeutscher Studienpreis der Körber Stiftung

Zusätzliche Informationen:
Auslandsaufenthalt
August-Oktober 2007, University of Michigan, Karbstein Lab

Promotionsstipendium des undefinedGraduiertenclusters CLIB2021-GC

undefinediGRAD Mitglied

Patentanmeldungen:
1. Agents and Methods for the Expression and Secretion of Peptides and Proteins; C. K. W. Schwarz, L. Schmitt, S. H. J. Smits; WO/2013/057312

2. Methods for the Expression of Peptides and Proteins, C. K. W. Schwarz, S. Smits, L. Schmitt; WO/2014/170430

Publikationen:
Functional expression, purification and biochemical properties of subtilase SprP from Pseudomonas aeruginosa, Pelzer, Alexander; Schwarz, Christian; Knapp, Andreas; Wirtz, Astrid; Wilhelm, Susanne; Smits, Sander; Schmitt, Lutz; Funken, Horst; Jaeger, Karl-Erich, MicrobiologyOpen (2015), accepted

Type I secretion systems - a story of appendices; K. Kanonenberg, C. K. W. Schwarz, L. Schmitt; Research in Microbiology (2013), Mar 26. pii: S0923-2508(13)00054-5.



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