Im Interview mit Christiane Mahr

Hintergrund: Christiane Mahr hat einen Bachelor in Kulturwissenschaften und einen Master in „Philosophie im europäischen Kontext“ von der Fernuniversität Hagen. Von Oktober 2012 bis Mai 2015 hat Sie im interdisziplinären Graduiertenkolleg „Alter(n) als kulturelle Konzeption und Praxis“ in der Philosophischen Fakultät der HHU promoviert. Im Rahmen des Graduiertenkollegs Alter(n) forschen Geisteswissenschaftler, Betriebswirte, Psychologen und Mediziner im Kontext des Alterns.

Christiane Mahr, Doktorandin der Philosophie

Sie haben in einem sehr interdisziplinären Graduiertenkolleg (GRK) promoviert. Hat der Austausch im GRK ihre Arbeit bereichert und wie?
Der Austausch war für mich tatsächlich eine sehr große Bereicherung. Durch das Graduiertenkolleg hat sich mir die Chance eröffnet, durch verhältnismäßig detaillierte Einblicke in fachfremde Forschungsprojekte sowie interdisziplinäre Tagungen Theorieansätze und Methoden aus anderen Disziplinen kennen zu lernen. Außerdem habe ich im Hinblick auf meine Arbeit neben vielen wertvollen Hinweisen meines Doktorvaters auch  Anregungen von KollegiatInnen und ProfessorInnen aus anderen Wissenschaften erhalten. Das ist eine ganz schöne Menge!

Welche Veranstaltungen des GRK waren für Sie besonders wichtig?
Die Kolloquien des Graduiertenkollegs waren aus den Gründen, die ich gerade beschrieben habe, besonders wichtig für mich. Nützlich waren auch die Veranstaltungen, in denen wir auf unsere künftige Stellensuche auf dem Arbeitsmarkt vorbereitet wurden. 

Hat die strukturierte Arbeit im GRK die Doktorarbeitszeit beschleunigt im Vergleich mit Kollegen, die nicht im GRK promovieren?
Leider kann ich das nicht im Allgemeinen beurteilen, da ich zu wenig über die Dissertationszeiten anderer Promovenden weiß. Was mich selbst betrifft, so waren in meiner Lebenssituation die mit dem GRK verbundenen Strukturen genau richtig. Darüber hinaus ich habe ziemlich viel Unterstützung von meinen Betreuern erhalten. Beides zusammen genommen war ideal.

Haben Sie  die Angebote der Graduiertenakademie der Philosophischen Fakultät - philGRAD genutzt?
Die Angebote der Graduiertenakademie habe ich nicht in dem Maße genutzt, in dem das vielleicht sinnvoll gewesen wäre.

Sie sind Mutter von zwei Kindern. Wie haben Sie den Spagat zwischen Familie und Promotion gemeistert?
Meine Kinder sind bereits im schulpflichtigen Alter. Sie haben verstanden, dass ich für meine wissenschaftliche Arbeit Ruhe und Zeit benötige, und haben mich in vielerlei Hinsicht unterstützt. Sie waren oft sehr geduldig und verständnisvoll. Das kann ich auch von meinem Partner berichten, der mich immer, wenn er das konnte, entlastet hat. Im Vergleich zu einem alleinerziehenden Elternteil oder einer Familie mit einem Kleinkind war der Spagat also gar nicht so groß.

Sie waren in der Lehre tätig. Welche Erfahrungen haben Sie in der Zusammenarbeit mit Studierenden gemacht? Was hat Ihnen das persönlich gebracht?
Die Lehre war sehr spannend. Die Lehrveranstaltung habe ich an der Seite eines erfahrenen und eloquenten Dozenten mitgestaltet, konnte also sehr viel beobachten und von ihm lernen. Sehr interessant fand ich die Zusammensetzung des Seminars, denn in Bezug auf das chronologische Alter der Studierenden war das sehr heterogen. Das lag sicherlich auch an dem  Thema „Alter und Tod bei Seneca“. Das wichtigste Ergebnis meiner Lehrtätigkeit für mich persönlich bestand darin, dass ich die Perspektive der Lehrenden kennen gelernt habe. Nach dieser Erfahrung kann ich mir genauer vorstellen, wie ich in Zukunft Stoff an Lernende vermitteln würde.

Das Interview führte Mareike Schulz im Mai 2015.

Zur Person

Christiane Mahr

Abschluss:
2008 - Bachelor of Arts im Fach Kulturwissenschaften an der FernUniversität Hagen

2012 - Master of Arts im Fach Philosophie im europäischen Kontext an der FernUniversität Hagen

Oktober 2012 bis Mai 2015 - Promotion am interdisziplinären Graduiertenkolleg „Alter(n) als kulturelle Konzeption und Praxis“der Philosophischen Fakultät der HHU.

Thema der Doktorarbeit:
„Der Begriff des Alter(n)s im Kontext der gegenwärtigen wissenschaftlichen Forschung – Versuch einer semantischen Klärung“

Doktorvater:
Prof. Dr. Christoph Kann, Theoretische Philosophie

Publikationen:
"Wie plausibel ist der normative Krankheitsbegriff von Clouser, Culver und Gert?", Sektion Medizinethik, XXIII. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Philosophie 2014 in Münster, 02. Oktober 2014. Als PDF Online verfügbar.

Zusätzliche Informationen:
Juni 2012: Stipendium für die Teilnahme an der Internationalen Sommerschule "Individueller Wille und ethisch-rechtliche Willenskonstrukte in Medizin und Bioethik"

Verantwortlich für den Inhalt: Junior Scientist and International Researcher Center