Im Interview mit David Heckmann ehemaliger Doktorand des internationalen Graduiertenkollegs iGRADplant der HHU und Preisträger des Promotionspreises der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät 2014

Dekanin Prof. Dr. Christel Marian und Dr. David Heckmann bei der Promotionsfeier der Mathematisch-Naturwissen-schaftlichen Fakultät, Foto: Steffen Köhler

Herr Heckmann, Sie haben im Fach Bioinformatik promoviert. Wie sind Sie dazu gekommen?

Während meines Bachelors in Biologie habe ich schon gemerkt, dass mir die oft qualitative Beschreibung der Biologie nicht gereicht hat. Dadurch habe ich in der Bachelorarbeit angefangen mathematische Modellierungen zu machen, wo man analytisch nachvollziehen kann, was dort passiert. Dann war die Bioinformatik ein logischer Schluss.

Warum haben Sie sich für die Fast-Track-Promotion entschieden?

Ich habe mich an der HHU auf den Masterstudiengang in Biologie beworben. Besonders der theoretische Bereich der Pflanzenwissenschaften hat mich interessiert. Daraufhin hatte mir Prof. Andreas Weber, der damals angefangen hatte das internationale Graduiertenkolleg iGRADplant aufzuziehen, das Angebot gemacht auf direktem Wege die Fast-Track-Promotion anzustreben.  Nach einem Zusammentreffen mit ihm und Bioinformatiker, Prof. Martin Lercher, hatten wir direkt ein Projekt für mich gefunden.

Um was für ein Projekt hat es sich bei Ihnen gehandelt für das Sie nun den Promotionspreis Ihrer Fakultät erhalten?

Ich wollte etwas mit Stoffwechselmodellierung machen und hab mich auch für Photosynthese interessiert. Wir haben uns im Team gemeinsam überlegt, wie man das angehen kann. Im Endeffekt habe ich dann Photosynthese-Modelle benutzt um die Evolution der Photosynthese vorherzusagen.
Praktisch war, dass die HHU gute Rahmenbedingungen geboten hat. Wir hatten einerseits Leute, die theoretisch wussten, wie man an das Thema herangeht und andererseits hatten wir bereits experimentelle Daten vorliegen und konnten dann gut interdisziplinär daran arbeiten.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen um an der Fast-Track-Promotion in Ihrem Fach teilnehmen zu können?

Bei mir war es so, dass man einen Notenschnitt von mindestens 1,5 im Bachelor mitbringen musste.

Sind Ihnen jemals Zweifel gekommen, als Sie sich dazu entschlossen hatten den Master-Abschluss zu überspringen?

Ich habe mich während der Promotion entschieden einen Teil meiner Promotionsarbeit als Masterthesis einzureichen, um so meinen Masterabschluss zu machen. Das hatte damit zu tun, dass die Fast-Track-Promotion ein Pilot-Projekt ist und dass es viele bürokratische Hürden gibt, wenn man nicht den Masterabschluss hat. Darunter fallen beispielsweise die Bezahlungen im öffentlichen Dienst, die sich am höchsten akademischen Abschluss orientieren.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Fast-Track-Promotion gemacht? Hatten Sie das Gefühl der Leistungsanspruch war höher?

Es ist ja so, dass ich trotzdem noch den Standard für den Master bzw. für den Einstieg in die Masterarbeit vorher erfüllen musste. Ich hatte ein Jahr lang Vorbereitungen und Kurse bevor ich dann wirklich mit der Promotion angefangen habe. Innerhalb dieser Vorbereitungszeit musste ich den Schnitt von 1,5 beibehalten. Das ist natürlich schon ein gewisser Druck.

Würden Sie die Fast-Track-Promotion weiterempfehlen?

Wenn man nach dem Bachelor weiß, an welchem Projekt man drei bis vier Jahre arbeiten möchte, dann kann ich es empfehlen. Bei Unsicherheiten sollte man die Masterarbeit abwarten, weil diese ein guter Schritt ist, um sich ein Projekt anzuschauen und eine Entscheidung zu treffen. Wenn man sich dann für drei bis vier Jahre an ein Projekt bindet, sollte man schon gerne bei der Sache sein. Ich persönlich war sehr zufrieden.

Sie waren im Rahmen Ihrer Promotion im internationalen Graduiertenkolleg iGRADplant für sechs Monate an der Michigan State University: Welche Erfahrungen haben Sie in Bezug auf das wissenschaftliche Arbeiten dort gemacht? Gibt es Unterschiede zu Deutschland?

Ich war von den Studenten beeindruckt, die da in den Laboren gearbeitet haben. Die waren mit einer Ernsthaftigkeit dabei, die nicht selbstverständlich ist. Das Besondere an der Michigan State University war, dass sie sehr auf die Pflanzenforschung fokussiert ist, weshalb  es dort sehr viele Labore in dem Bereich gibt.

 Welche Erfahrungen haben Sie generell bei Ihrem Aufenthalt sammeln können?

Ich denke noch oft an die amerikanische Kultur. Es war interessant nicht nur den wissenschaftlichen Unterschied zu sehen sondern auch den der Mentalität. Ich habe dort mit Amerikanern gelebt und ich finde deren Unternehmergeist und die stärkere Betonung auf den reinen Kapitalismus prägnanter als  hier in Europa. Das hat Vor- und Nachteile. Ich habe beide Seiten davon gesehen.

Wie soll es bei Ihnen weiter gehen? (Berufliche Ziele)

Ich habe im Moment noch einige interessante Projekte an der HHU, die ich abschließen will. Ich schaue aber gleichzeitig nach Forschungspositionen im Ausland. Konkrete Ziele habe ich noch nicht. Im Moment macht mir akademische Forschung am meisten Spaß.

Was bietet die HHU Ihrer Meinung nach im Bereich Biologie?

Ich fand diesen interdisziplinären Austausch im Rahmen von iGRADplant sehr gut. Ich konnte Kontakte knüpfen, die für meine Arbeit sehr nützlich waren. Durch das neue Exzellenzcluster für Pflanzenwissenschaften (CEPLAS) gibt es in Düsseldorf hervorragende Möglichkeiten zur interdisziplinären Forschung in diesem Bereich.

Das Interview führte Mareike Schulz im Februar 2015.

Zur Person

David Heckmann

Abschluss:
2009 - Bachelor in Biologie, Universität Köln,
"Theoretical studies of two-prey-one-predator system"
2014 - Dr. rer. nat. in Biologie/Bioinformatik, HHU Düsseldorf (iGRADplant)

Thema der Dissertation:
"Mathematical modelling of metabolism applied to the evolution of photosynthesis
" ausgezeichnet mit dem Promotionspreis der Math.Nat.Fakultät 2014

Arbeitsgruppe: 
Prof. Dr. Martin Lercher, Institut für Bioinformatik der HHU

Graduiertenausbildung:
Mitglied der interdisciplinary Graduate and Research Academy (iGRAD)

Zusätzliche Informationen:
Teilnahme am Genetics Program of the Michigan State University im Rahmen des internationalen Graduiertenkollegs iGRADplant

Publikationen:
Heckmann et al (2013)
Cell 153, 1579-1588

Mallmann J, Heckmann D, et al (2014) eLife, 10.7554/
eLife.02478#sthash.
CCB3QOPb.dpuf.

Weitere Informationen zur wissenschaftlichen Arbeit

 

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