Eric Baudner - Doktorand am Graduiertenkolleg "Materialität und Produktion" der HHU

Hintergrund: Eric Baudner hat in Düsseldorf Anglistik und Germanistik studiert. Seit April 2012 ist er Stipendiat am Graduiertenkolleg "Materialität und Produktion" und schreibt derzeit an seiner Dissertation mit dem Titel: "Reassembling Violence, Reassembling Fictional Acoounts - A New Approach to Contemporary British Drama"

Eric Baudner - Doktorand am Graduiertenkolleg "Materialität und Produktion" Foto: Privat

Stellen Sie sich und Ihren akademischer Werdegang kurz vor:
Im Wintersemester 2005 habe ich begonnen Anglistik und Germanistik an der HHU zu studieren, nach meiner Bachelorarbeit habe ich 2012 meinen Master in der Literaturwissenschaft der Anglistik gemacht. In der Endphase meines Masters kam das Graduiertenkolleg auf, und mein Chef hat mich dazu animiert mich dort zu bewerben. Das habe ich dann während meiner Masterarbeit gemacht und bin direkt genommen worden. Jetzt möchte ich gerne meine Doktorarbeit bis März 2016 fertig bekommen. Ich hatte jetzt ein dreijähriges Stipendium, bin in der Zeit Vater geworden und konnte aus diesem Grund ein Jahr verlängern.

Wie genau sahen die Voraussetzungen für ein Stipendium am Graduiertenkolleg aus?
Ich habe mich mit einer Positionierung beworben und beschrieben, wie ich zu den Themen Materialität und Produktion stehe. Nach der Bewerbung wurde ich zu einer Gesprächsrunde in Anwesenheit von 5 Professor/innen eingeladen. Dort musste ich nochmal mein Promotionsvorhaben darlegen und wurde mit unvorhersehbaren Fragen konfrontiert. Die erste Phase des Graduiertenkollegs startete damals dann mit 15 Stipendiaten und ein paar Kollegiaten.

Wie lassen sich die Begrifflichkeiten "Materialität" und "Produktion"  in Ihrer Dissertation wiederfinden?
Anfänglich war das Thema „Sinnstiftende Gewalt im zeitgenössischen britischen Drama“. Das ist jedoch schon lange nicht mehr der Titel meiner Arbeit. Daran erkennt man, wie sich innerhalb des Graduiertenkollegs der eigene Ansatz verändern kann. Das Thema ist ursprünglich aus meiner Masterarbeit entstanden, da ich mich eigentlich damit beschäftigen wollte, wie in dramatischen Texten des 20. und 21. Jahrhunderts, die sich mit extremer physischer und psychischer Gewalt beschäftigen, die Gewalt eine Art sinnstiftende Energie freisetzt.

In Bezug zur Materialität habe ich mir dann die Fragen gestellt, ob die Körper verletzter Menschen eine Rolle spielen und inwiefern diese noch als Körper anerkannt werden von jemanden der menschliches Leben nicht mehr als relevant betrachtet? Spielt menschliche Würde, menschliches Leben und die Verletzbarkeit eine Rolle, wenn es jemanden gibt, der sich um diese Konzepte nicht mehr kümmert, der keine moralischen Vorstellungen mehr hat, der Ethik neu auslegt?

Inwiefern arbeiten Sie mit anderen Wissenschaftlern zusammen? Gibt es Kooperationen?
Über den Doktorandenraum habe ich viel Kontakt zu den anderen und so kommt man in einen interdisziplinären Austausch. Dadurch, dass ich mein Thema in regelmäßigen Abständen vorstelle, bekomme ich aus unterschiedlichen Fachrichtungen neue Impulse gesetzt, was das Ganze extrem komplex macht, aber es ist auf jeden Fall ein besseres Arbeiten als zuhause im stillen Kämmerlein.

Was sind für Sie die Vorteile eines Graduiertenkollegs?
Ganz profan gesagt, ist die finanzielle Unterstützung ein großer Vorteil. Außerdem ist die Arbeitseinteilung relativ praktisch und so bleibe ich in einer Regelmäßigkeit, die mir Struktur bietet. Man versucht in der Vorlesungsfreien Zeit seine Arbeit weiter zu schreiben und sich dann in Ringvorlesungen, Kolloquien und Vorstellungsrunden einzubringen. Dadurch, dass es kein reines Schreibstipendium ist, verlangt das Graduiertenkolleg eine Einbindung in die universitären Prozesse. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass ich in Disziplinen eintauche, die ich vorher nicht in Betracht gezogen hätte. Der Nachteil ist der extreme Zeitaufwand.

Haben Sie am Angebot zusätzlicher Qualifizierungskurse des Graduiertenkollegs teilgenommen?
Ich habe aber an ein paar Rhetorikworkshops besucht, die uns über das Graduiertenkolleg zur Verfügung gestellt wurden. Einmal zum Thema Rede-Rhetorik im allgemeinen und ein Moderationsworkshop. Außerdem habe ich an einem Workshop mit einer Schauspielerin teilgenommen über die Themen Stimmbildung und Auftreten im Raum. Die Hochschuldidaktik wäre jetzt noch ganz interessant für mich, da ich seit Jahren unterrichte. Bislang habe ich mir das alles durch Learning by Doing beigebracht, da würden mir die Angebote der Hochschuldidaktik sicher noch zusätzliche Impulse geben. 

Gibt es Publikationen an denen Sie gearbeitet haben?
Mit meinen Veröffentlichungen hat es sehr gut geklappt. Ich habe ein paar Rezensionen und einen Buchbeitrag verfasst. Das sind immer nützliche Referenzen für den eigenen Lebenslauf.

Sie sind während Ihrer Promotion Vater geworden. Wie lässt sich das vereinbaren?
Beides konnte ich gut miteinander vereinbaren und vom finanziellen Aspekt her gesehen bekommt man vom Graduiertenkolleg einen Zuschlag für das Kind. Ich finde gut, dass das Graduiertenkolleg keinen Unterschied zwischen Vätern und Müttern macht, da Väter diesen finanziellen Zuschlag genauso wie Mütter bekommen. Zeitlich ist es schwierig alles unter einen Hut zu bekommen, aber ich glaube, das geht jedem so, der einer Tätigkeit nachgeht. Bei mir klappt es relativ gut, weil ich gut von zuhause aus arbeiten kann und dieses zusätzliche Jahr hilft dabei sehr. Wenn man aber permanent an der Universität anwesend sein will oder soll, dann ist es schwierig.

Wie soll es bei Ihnen nach der Promotion weitergehen?
Ich würde gerne versuchen in der Anglistik zu bleiben. Es gibt natürlich die Möglichkeit ins Ausland zu gehen. Das ist jedoch mit einer Familie extrem schwierig. Da muss ich einfach hoffen, dass sich die Hochschulpolitik in Bezug auf Kurzeitverträge weiterentwickelt. Der Plan wäre es jedoch erst einmal hier an der Uni zu bleiben.

 

Das Interview führte Mareike Schulz im September 2015.

Zur Person

Eric Baudner

Abschluss:

2009 - Bachelor in Anglistik und Germanistik an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf.
Thema der Bachelorarbeit: "Nick Hornby´s High Fidelity and the Popular" 

2011 - Master in Anglistik an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf. 
Thema der Masterarbeit: "Power, Justice and Violence in Shakespear"

voraussichtlich 03/2016 - Doktor phil. in Anglistik an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf.

Thema der Dissertation:
"Reassembling Violence, Reassembling Fictional Accounts - A New Approach to Contemporary British Drama"

Betreuende: 
Prof. Dr. Roger Lüdeke, Neuere Englische Literatur und Prof. Dr. Vittoria Borsò, Institut für Romanistik der HHU

Zusätzliche Informationen:
undefinedStipendiat des DFG Graduiertenkollegs "Materialität und Produktion" der HHU

Publikationen:
10/2011
Aufsatz: „Die Popularität der Literatur“ (mit Gero Brümmer, Martin Henrich), in: Roger Lüdeke (Hrsg.) Kommunikation im Populären.

09/2013
Rezension von : Oliver Jahraus, Armin Nassehi (Hrsg.): Luhmann Handbuch: Leben – Werk – Wirkung. undefinedhier

04/2014
Rezension von: Charlotte Krauss, Urs Urban (Hrsg.) Das wiedergefundene Epos. undefined hier

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenJunior Scientist and International Researcher Center