HHU PhD Student Julien Hernandez-Lallement über seine Arbeit am Institut für Vergleichende Psychologie der HHU

Hintergrund: Julien Hernandez-Lallement stellt seine Ergebnisse der Studie über das soziale Verhalten von Ratten im Journal Frontiers in Neuroscience vor. Die Arbeitsgruppe  des Instituts für Vergleichende Psychologie von Prof. Dr. Tobias Kalenscher hat herausgefunden, dass Ratten bereit sind, etwas für ihre Artgenossen zu tun, ohne selber davon zu profitieren. Das Experiment ist eines der ersten, das zeigt, dass es nicht nur in der Natur des Menschen liegt Entscheidungen in einen sozialen Kontext zu stellen. Das weist darauf hin, dass sich prosoziales Verhalten schon früh in der Evolution konstituiert. 

PhD Student der Vergleichenden Psychologie Julien Hernandez-Lallement. Foto: Privat

Warum haben Sie sich dazu entschieden an der HHU wissenschaftlich tätig zu werden?
Ausschlaggebend war, dass ich vor vier Jahren Professor Kalenscher bei einer Konferenz in Bonn kennengelernt habe. Er stand in der Anfangsphase seines Projektes über "Soziale Entscheidungsprozesse mit Ratten". Ich als junger Neurowissenschaftler war daran interessiert mit Tieren zu arbeiten, weil es eine neue Herangehensweise ist, sich mit dem Thema "Entscheidungsfindung" auseinanderzusetzen.

Wie sind Sie an das Projekt gekommen? Was ist für Sie am Projekt besonders interessant gewesen?
Ich habe Professor Kalenscher eine Mail mit meinem Lebenslauf geschrieben, dass ich an seinem Projekt interessiert wäre. In meiner Bachelor und in meiner Masterarbeit habe ich mich schon neurowissenschaftlich mit Tieren beschäftigt und so passte ich gut in sein Profil. Bei einem Treffen haben wir dann über meine Fähigkeiten gesprochen. Nach einer Woche kam dann die Zusage.

Sie haben in einer sehr renommierten Fachzeitschrift publiziert. Sind die Ergebnisse ein Sprungbrett für den nächsten Karriereschritt?
Ich habe fast drei Jahre an diesem Projekt gearbeitet und es von Anfang an mit begleitet und entwickelt. Jetzt wollte ich darüber schreiben, damit man sich mit anderen Wissenschaftlern austauschen kann. Es ging dabei hauptsächlich um eine Art persönliche Erfüllung und die Suche nach Anerkennung für dieses Projekt. Es war schön das Gefühl zu haben, dass ich etwas herausbringen kann, sodass andere Wissenschaftler einen Einblick bekommen. Während des PhDs ist man häufig unsicher und fragt sich, ob man auf dem richtigen Weg ist. Da ist es wichtig Resonanz zu bekommen, um sich bestätigt zu fühlen. Ich habe jetzt sehr viel Resonanz auf meine Publikationen bekommen und natürlich bringt mich Feedback als Wissenschaftler weiter.

Wie wird es für Sie weitergehen?
Ich werde am Ende des Jahres promovieren. Ich komme nicht aus Düsseldorf und manchmal vermisse ich meine Heimat und mein Land. Ich würde mich freuen als Postdoc irgendwo anders hin zu gehen, aber ich muss sagen, dass das wissenschaftliche Level hier in NRW und auch in Holland sehr gut ist und deshalb könnte ich mir vorstellen hier in der Nähe zu bleiben. Ich habe schon mit Herr Kalenscher gesprochen, aber es ist ja auch immer eine Frage der finanziellen Förderung. Wenn ich weiterhin hier bleiben kann würde ich es tun, weil beispielsweise das Labor hier in der Abteilung sehr gut ist.

Was ist an der Arbeitsgruppe von Prof. Kalenscher besonders /was haben Sie in dem Team besonders schätzen gelernt hat?
Ich habe ganz viel schätzen gelernt. Es herrscht eine Freundschaftlichkeit im Team, sodass ich nicht nur das Gefühl habe mit meinem Chef und meinen Kollegen zusammenzuarbeiten. Bei Problemen kann ich mich an jeden wenden und sagen "Hey, hast du mal 5 Minuten für mich, ich habe da eine Frage". Es gibt ganz viele Ebenen von Interaktion zwischen uns, die sich nicht nur auf die Arbeit beziehen und das schätze ich sehr. Und auch das wissenschaftliche Potential der Postdocs ist sehr hoch. Es herrscht ein hohes Wissen über Tierforschung und so konnte ich viel durch einen intensiven Austausch untereinander lernen.

Sie sind gebürtig aus Frankreich, sehen Sie einen Unterschied im wissenschaftlichen Arbeiten?
Ich habe in Italien für sechs Monate gearbeitet, war dann in Frankreich und in Deutschland. Es gibt auf jeden Fall Unterschiede wie die Leute wissenschaftlich Denken und wie sie Projekte vorbereiten und besprechen. Ich kann aber nicht sagen, dass das gut oder schlecht wär.

Wie haben Sie sich in Deutschland aufgenommen gefühlt?
Als ich damals nach Bonn kam habe ich mich sehr wohl gefühlt. Mein Deutsch war nicht so gut und die Leute haben mich direkt auf Englisch angesprochen. Manchmal hatte ich in Düsseldorf Schwierigkeiten mit der Administration an der HHU, da viele Probleme hatten mit mir auf Englisch zu reden. Jetzt kann ich mich jedoch gut auf Deutsch verständigen und komme besser zurecht.

 

Das Interview führte Mareike Schulz im Februar 2015.

Zur Person

Julien Hernandez-Lallement

Nationalität: Französisch/Spanisch

PhD-Projekt:
The behavional and neural bases of social decision making

Arbeitsgruppe:
Prof. Dr. Tobias Kalenscher, Institut für Vergleichende Psychologie der HHU

Graduiertenausbildung:
Mitglied der interdisciplinary Graduate and Research Academy (iGRAD)

Publikationen:
Hernandez-Lallement J. et. al. (2015) Rats prefer mutual rewards in a prosocial choice task. Frontiers in neuroscience 8:1-9.

Hernandez Lallement J. et. al. (2013). Effort increases sensitivity to reward and loss magnitude in the human brain. Social Cognitive and Affective Neuroscience; doi: 10.1093/scan/nss147

Weitere Informationen zur wissenschaftlichen Arbeit

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