Katharina Stenzel - Doktorandin am Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Hintergrund: Katharina Stenzel ist Doktorandin am Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie an der HHU. Ihr Forschungsschwerpunkt beinhaltet die Synthese neuer Wirkstoffe, die hauptsächlich auf die Eignung zum Einsatz in der Krebstherapie getestet werden. Im Rahmen der Promotionsarbeit konnte sie durch Projektförderungen des DAAD mehrere Forschungsaufenthalte bei Kooperationspartnern in Australien und Südkorea durchführen. 

Doktorandin Katharina Stenzel des Instituts für Pharmazeutische und Medizinische Chemie an der HHU. Foto: Steffen Köhler

Stellen Sie sich und Ihren akademischen Werdegang kurz vor
Ich habe Biochemie studiert und den BA und MA an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gemacht. Dabei habe ich mich früh für parasitäre Erkrankungen interessiert und z.B. an der Universität Edinburgh am Institut für Immunologie und Epidemiologie ein durch ERASMUS gefördertes Praktikum durchgeführt. Während dieses Projektes habe ich mich mit der Rolle des Immunsystems bei einer Schistosomiasis (Bilharziose) Infektion befasst. Meine Masterarbeit habe ich dann in der Pharmazeutischen Chemie verfasst und mich seit dem auf den Bereich der Wirkstoffsynthese spezialisiert. Mein Promotionsthema befasst sich mit Histondeacetylase-Inhibitoren, eine Wirkstoffklasse, aus der vier Vertreter durch die amerikanische Behörde FDA (Food and Drug Administration) bereits zur Behandlung verschiedener Tumorentitäten zugelassen sind. Interessanterweise werden Histondeacetylase-Inhibitoren aber auch als mögliche Arzneistoffe zur Malariatherapie erforscht.

An welchem Projekt/Projekten arbeiten Sie momentan?
Ich synthetisiere neue Wirkstoffe, die hauptsächlich auf ihre Eignung in der Therapie von Krebserkrankungen getestet werden. Zunächst werden Synthesewege entwickelt und ggf. optimiert, es folgt die Analyse und anschließend die Testung. Die biologische Evaluierung findet meistens durch Kooperationspartner statt. Ein Teilprojekt meiner Promotionsarbeit ist, dass sich bestimmte Vertreter der Histondeacetylase-Inhibitoren potentiell für die Malariatherapie eignen. In diesem Zusammenhang habe ich mich für eine Projektförderung beim Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) beworben. So konnte ich mein Forschungsvorhaben in Brisbane, Australien realisieren und die von mir synthetisierten Verbindungen auf ihre Antimalariawirkung testen. Bei unseren Kooperationspartnern an der Griffith Universität in Brisbane handelt es sich um die Arbeitsgruppe von Associate Prof. Dr. Andrews, die auf diesem Forschungsgebiet besonders etabliert ist. Zur Zeit arbeiten wir weiter zusammen um die Ergebnisse zu publizieren.

Sie waren im Ausland. Wo waren Sie und in welchem Rahmen waren Sie dort?
Ich war ab November 2014 für vier Monate in Brisbane, dabei handelt es sich um einen Forschungsaufenthalt, der durch den DAAD gefördert wurde. Die Erfahrungen waren sehr positiv, auch weil die Kultur und das Land mir sehr positiv in Erinnerung geblieben sind. Die Arbeitsgruppe war sehr gut organisiert, ich konnte viele Dinge in meinem eigenen Forschungsbereich wie auch allgemein zur internationalen Zusammenarbeit und Projektorganisation lernen. Auch die Arbeitsbedingungen und die Unterstützung  meines Forschungsvorhabens waren sehr gut.

Eine weitere Kooperation besteht zwischen meinem betreuenden Professor Prof. Dr. Kurz und einer Arbeitsgruppe an der Kyungpook National University in Daegu, Südkorea. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit konnte ich über die entsprechende Projektförderung letztes Jahr einen Forschungsaufenthalt von einem Monat realisieren und werde dieses Jahr erneut in Daegu sein. Wir wurden als deutsche Forscher in Südkorea sehr offen empfangen. Sowohl die deutsche, als auch die koreanische Seite, können im Hinblick auf die Arbeits- und Forschungs- organisation und natürlich wissenschaftlich viel voneinander lernen.

Südkorea und Australien sind sehr  unterschiedliche Länder, sowohl im Bereich der Forschung und Arbeitsstruktur, als auch im alltäglichen Leben und Kultur. Man nimmt sich plötzlich selber als deutscher Wissenschaftler viel bewusster wahr, weil einem im Alltag oft nicht bewusst wird, wofür unsere Arbeit steht. Insgesamt habe ich aber auch viele bestehende Klischees über die Arbeitsweise in den verschiedenen Ländern für mich relativiert. In Südkorea wird der späte Feierabend z.B. als Ehrensache angesehen, in anderen Bereichen gibt es dann aber doch Freiheiten. Das entspannte, australische Lebensgefühl, von dem man manchmal hört, hat sicherlich auch eine wahre Seite, die Arbeit in Australien habe ich gleichzeitig aber auch als sehr effizient und zielorientiert wahrgenommen. Oft wird die deutsche Arbeitsweise wohl zurecht im Ausland als besonders genau wahrgenommen und man spricht von der deutschen Pünktlichkeit. Andererseits ist unsere Freizeitkultur sehr gefragt und man wird  zum deutschen Bier, dem Oktoberfest und Fußball ausgefragt. Insgesamt wird man als deutscher Wissenschaftler aber auch für die bei uns gewohnte Selbstständigkeit und dem sehr breit aufgestelltem Fachwissen geschätzt.

Sie sind iGRAD Mitglied – Welche Vorteile sehen Sie als Mitglied der Graduiertenakademie?
Einerseits hat man als Doktorand zwar sehr vielseitige Aufgaben, wie die praktischen Arbeit im Labor, die theoretischen Recherche, das Schreiben und die Lehrveranstaltungen. Auch ist meine Promotion sehr interdisziplinär. Trotzdem wird  man während einer Promotion hauptsächlich in seinem Fachbereich zu einem Spezialisten ausgebildet. Durch die Kurse der iGRAD hat man die Möglichkeit, sich über sein Themengebiet hinaus weiterzubilden und diese Möglichkeit nehme ich sehr gerne wahr. Die beruflichen Einsatzgebiete nach einem naturwissenschaftlichen Studium sind oft vielseitig und komplex, nach der Promotion ist man möglicherweise in einem anderen Gebiet tätig als während der Promotion. Eine Kollegin von mir hat vor kurzem einen Schreibworkshop mitgemacht und ihr ist dort bewusst geworden, dass sie sich auch eine journalistische Tätigkeit vorstellen könnte. Das ist ein extremes Beispiel, dennoch bekommt man z.B. durch die iGRAD die Möglichkeit sich mit verschieden Bereichen auseinander zu setzen, die einem vorher eventuell nicht zugänglich waren. Zudem helfen die Workshops auch dabei, sich in wichtigen Kompetenzbereichen gut aufzustellen, wie z.B. dem Präsentieren oder dem Projekt Management.

Wie soll es bei Ihnen weiter gehen?
Zurzeit macht mir die Wissenschaft sehr viel Spaß und ich werde noch ungefähr ein Jahr bis zum Abschluss meiner Promotion brauchen. Was danach genau kommt, lasse ich noch relativ offen. Ich bin auf der Suche nach Gebieten, die mir Spaß machen würden. Als Biochemikerin arbeite ich in der Pharmazie und so stehen mir einige interdisziplinäre Bereiche offen. Ich kann mir aber auch vorstellen, mich z.B. im Bereich der BWL weiterzubilden. Ich nutze gerade die Zeit während meiner Promotion, um mein Vorhaben zu konkretisieren.

 

Das Interview führte Mareike Schulz im Juni 2015.

Zur Person

Katharina Stenzel

Abschluss:
2010 -  Bachelor of Science im Fach Biochemie
Thema der Bachelorarbeit: "Charakterisierung eines PvdS-negativen Stammes von Pseudomonas aeruginosa"

2012 - Master of Science im Fach Biochemie
Thema der Masterarbeit: "Synthese und biologische Evaluation neuer Hydroxamsäure-basierter Histon-Deacetylase Inhibitoren"

Thema der Dissertation: Synthese und biologische Evaluierung von Histon-Deacetylase Inhibitoren

Arbeitsgruppe:
Prof. Dr. Thomas Kurz, Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der HHU

Zusätzliche Informationen:
08.2011-10.2011 Forschungspraktikum am Institute of Immunology and Infection Research, University of Edinburgh, Scotland
Thema: "Single Nucleotide Polymorphisms" in mit der Immunantwort und Pathologie von Bilharziose (Schistosomiasis) assoziierten Genen 

09.2014-10.2014 Forschungsaufenthalt am Cardiovascular Research Institute of Kyungpook National University, Republic of Korea
Thema: Synthese und Evaluierung von antihypertensiven Histon-Deacetylase Inhibitoren

11.2014-03.2015  Forschungsaufenthalt am Eskitis Institute for Drug Discovery, Griffith University, Queensland, Australia
Thema: Synthese und biologische Evaluierung von Histon-Deacetylase Inhibitoren zur Antimalariatherapie
Doktorandenstipendium des DAAD

Mitglied der interdisciplinary Graduate and Research Academy (iGRAD)

Publikationen:
Finn K. Hansen, Subathdrage D. M. Sumanadasa, Katharina Stenzel, et.al. ”Discovery of HDAC Inhibitors with Potent Activity Against Multiple Malaria Parasite Life Cycle Stages“ European Journal of Medicinal Chemistry 82 (2014) 204-213

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