Svenja Wiertz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie

Hintergrund: Nach ihrem ersten Studium der Asienwissenschaften an der Universität Bonn entschied sich Svenja Wiertz für ein Zweitstudium der Philosophie an der HHU Düsseldorf. Schon während ihres Masters bekam sie die Chance im Institut als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig zu werden. Im Interview berichtet Svenja Wiertz über Ihre Arbeit und Forschung am Institut der Philosophie. Zudem nahm sie am Kalenderprojekt der Heine Research Academies pARTofResearch teil.  

Svenja Wiertz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie. Foto: Privat.

Akademischer Werdegang:
Von 2004 bis 2007 habe ich Asienwissenschaften mit einem Schwerpunkt in tibetischer Sprach- und Kulturwissenschaft an der Universität Bonn studiert. Danach habe ich in Düsseldorf Philosophie als Zweitstudium begonnen. Zunächst hatte ich noch das Nebenfach Antike Kultur, habe dann aber auf Englisch gewechselt. Für die Finanzierung des Studiums habe ich als Nachhilfelehrerin und Tutorin gearbeitet. Kurz vor Ende meines Masterstudiums habe ich eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Teilzeit angenommen. 

Wie sieht eine Promotion in Ihrem Fach aus?
In der Regel bietet es sich an, über ein Stipendium oder über ein Graduiertenkolleg zu promovieren. Mit meiner Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin hatte ich den Vorteil, mich nicht erst um eine Finanzierung bemühen zu müssen. Es handelt sich um eine Qualifikationsstelle, in deren Rahmen mir die Promotion ermöglicht wird. Mit der Stelle geht eine Lehrverpflichtung am Institut einher, die natürlich einen gewissen Arbeitsaufwand darstellt. Mir hat Lehre jedoch immer viel Spaß gemacht und ich empfinde es als sehr angenehm, auf diese Weise zu promovieren.

Wie sind Sie auf Ihr Promotionsthema „Freundschaften“ gekommen und wo liegt Ihr Forschungsschwerpunkt?
Ich kam an das Thema „Freundschaften“ aus dem Kontext der Beschäftigung mit der Ethik persönlicher Beziehungen heraus. Ein Kollege, der mittlerweile nach München gewechselt ist, hat intensiv zum Thema Kindeswohl geforscht. Ein Mit-Doktorand befasst sich mit Beziehungen zwischen Erwachsenen Kindern und ihren Eltern. Mich persönlich haben die Familienbeziehungen nicht so sehr interessiert, aber das verwandte Thema Freundschaft fand ich sehr spannend. In meiner Arbeit geht es einerseits um Begriffe von Freundschaft. . Mich Interessiert, was es für Freundschaftsbegriffe in der Philosophiegeschichte gegeben hat. Ich setze mich mit den Begriffen auseinander und kritisiere sie dahingehend, dass sie meiner Ansicht nach in einigen Punkten zu idealisiert sind. Andererseits vergleiche ich sie mit Konzeptionen von Freundschaft in anderen Fachbereichen, v.a. in den Sozialwissenschaften und der Psychologie. Daneben steht die Arbeit aber auch in einem ethischen Kontext. Es geht um die Frage, was den Wert von Freundschaften ausmacht und in welchen Kontexten wir sinnvoll von Freundschaftspflichten sprechen können.

Sie sind philGRAD Mitglied und als Doktorandenvertreterin der philGRAD aktiv, was sind Ihre Aufgaben? 
Ich habe philGRAD als Mitglied kennengelernt und mich hat vor allem das vielfältige Workshop Programm angesprochen. Aber ich war auch bei einigen Treffen, die von den damaligen Doktorrandendvertretern veranstaltet wurden. Als die beiden sich entschieden, aufzuhören, wurden Nachfolger/innen gesucht und so habe ich mich dazu entschlossen diese Aufgabe zu übernehmen.
Als Doktorandenvertreterinnen sind Jasmin Pfeifer und ich vor allem in engem Austausch mit Simone Brandes, der Koordinatorin von philGRAD, und diskutieren Formate und Projekte, die für die Promovierenden der Philosophischen Fakultät und im Austausch mit den anderen Fakultäten organisiert werden können. Wir nehmen an Vorstandssitzungen teil, waren darüber hinaus auch an der Planung des Heine-Slams beteiligt und laden regelmäßig zu Doktorandentreffen ein. Aktuell diskutieren wir auch mit über die neue Promotionsordnung, die die philosophische Fakultät bald verabschieden wird. 

Sie haben bei undefinedpARTofResearch dem Kalenderprojekt der Heine Research Academies mitgemacht und ihr Bild ist im Kalender für 2017 vertreten. Was war Ihr Anreiz dort mitzumachen?
Ich fand das Projekt spannend und die Idee sehr interessant, Wissenschaft bildlich darzustellen. Ich hatte gleich einige Ideen, habe diese aber zunächst nicht weiter verfolgt. Erst als ich mitbekam, dass es gerade aus der philosophischen Fakultät kaum Einreichungen gab, habe ich mich dazu aufgerafft. Ich habe mir die Frage gestellt, was meine Arbeit auszeichnet. Das sind nun mal Notizen und Bücher. Das habe ich versucht in einer Collage darzustellen. Es handelt sich dabei um Bücher, die zu dem Zeitpunkt in meinem Regal standen und Notizzettel, die alle auf meine Dissertation bezogen sind. In diesem Sinne ist es also eine authentische Darstellung eines Teils meiner Arbeit. Ich war aber auch von den Ergebnissen der anderen total beeindruckt. Ich glaube zwar, wir haben in der philosophischen Fakultät teilweise schlechtere Karten, da die textlastigen Fächer wenig Bildmaterial bieten. Wenn das Projekt weiterläuft, hoffe ich trotzdem auf mehr kreative Beiträge aus der Fakultät, diesmal waren es leider sehr wenige. 

Welche Pläne haben Sie nach der Promotion?
Ich mag den Universitätsbetrieb und würde gerne bleiben. Auch mit dem Wissen, dass es nicht so viele Stellen gibt und dass es ein schwieriger Werdegang sein kann, ist es dennoch die Perspektive, die mich am meisten interessiert. Dabei finde ich die Lehre fast noch spannender als die Forschung. 

Gab es Konferenzen/Projekte, die Sie spannend fanden und die Sie für andere Promovierende empfehlen könnten?
Ich kann allen Promovierenden Konferenzreisen wärmstens empfehlen, sowohl mit eigenen Vorträgen als auch ‚nur‘ als Gast. Ich war dieses Jahr in Bern auf einer internationalen Tagung und habe dort sehr spannende Vorträge gehört. Es war eine tolle Atmosphäre und man kann gut Kontakte zu anderen Wissenschaftler/innen knüpfen. Mit Unterstützung über die HeRA Reisekostenzuschüsse (http://www.hera.hhu.de/forschen-im-ausland/foerderung-von-konferenzen-und-vortragsreisen-fachkursen/reisekostenzuschuesse.html ) fahre ich im September nach Salzburg zur Nachwuchskonferenz für praktische Philosophie(http://www.uni-salzburg.at/index.php?id=62299) bei der an die hundert Doktorand/innen und Postdocs zusammenkommen. Dadurch bekommt man einen guten Einblick in die Breite aktueller Forschung und lernt viele nette Leute kennen, du zu ähnlichen Themen arbeiten. Das spannendste für mich dieses Jahr wird jedoch eine Konferenz, die ich mit meine Kollegen Hannes Foth zusammen, und mit Untersetzung unserer Doktormutter, im November in Düsseldorf selbst veranstalte. Das Thema lautet: „Die Freiheit zu gehen - Ausstiegsoptionen in politischen, sozialen und existenziellen Kontexten“. Das Ganze findet am 10. und 11. November im Haus der Universität statt und wir haben tolle Referenten eingeladen.

 

Das Interview führte Mareike Schulz im August 2016.

 

 

Zur Person

M.A. Svenja Wiertz

Abschluss:
2004-2007 - Bachelorstudium Asienwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Willhelms-Universität Bonn
2007-2011 - Bachelorstudium Philosophie und Englisch an der HHU Düsseldorf
2011-2013 - Masterstudium Philosophie an der HHU Düsseldorf
Seit 2014 - Promotionsstudium und Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HHU Düsseldorf

Thema der Dissertation:
"Freundschaft: Funktionsverschiebung oder Krise? Zum Stellenwert philosophischer Freundschaftsideale in der heutigen Zeit."

Doktormutter:
Prof. Dr. Simone Dietz, Professur für Praktische Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Auszeichnungen
Gewinnerin des Essay-Wettbewerbs der Zeitschrift HOHE LUFT zum Thema „Was ist Gerechtigkeit?“ (veröffentlicht in: Hohe Luft 1/2014).

Zusätzliche Informationen:
Chancen Nutzen Stipendiatin Oktober 2012 bis März 2013.

philGRAD Mitglied

Projekte:
Vortragsreihe „Philosophie und Soziale Arbeit im Dialog“ (WS 14/15)

Tagung „Die Freiheit zu gehen: Ausstiegsoptionen in politischen, sozialen und existenziellen Kontexten.“ November 2016

Publikationen:
Hannes Foth und Svenja Wiertz: Die Ökonomisierung der Nähe als Herausforderung für die Ethik, in: Matthias Maring (Hrsg.) (2016): Zur Zukunft der Bereichsethiken. Herausforderungen durch die Ökonomisierung der Welt, KIT Scientific Publishing, Schriftenreihe des Zentrums für Technik- und Wirtschaftsethik am Karlsruher Institut für Technologie Band 8, S. 401-420.

Rezension von: Katrina Hutchison/Fiona Jenkins (Hrsg.): Women in Philosophy. What Needs to Change? In: Zeitschrift für philosophische Literatur 3.2, 2015, S. 16-22.
(http://zfphl.de/index.php/zfphl/issue/view/7)

 Rezension von: Jeremy Waldron, The Harm in Hate Speech, in: Zeitschrift für philosophische Literatur 2.2, 2014, S. 10-16.
(http://zfphl.de/index.php/zfphl/issue/view/3)

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