Im Interview mit Thomas Gurke ausgezeichnet mit dem Preis für die beste Dissertation der Philosophischen Fakultät 2014

Hintergrund: Schon zu Beginn seines Studiums kam Thomas Gurke in Berührung mit dem irischen Schriftsteller James Joyce. Bereits in einer seiner ersten Seminararbeiten wagte er sich an das berühmte "Sirenen" Kapitel aus Joyce "Ulysses"heran. Im weiteren Verlauf seines Studiums lässt ihn das Thema James Joyce nicht mehr los und so beginnt er 2008 seine Doktorarbeit zum Thema "Fuga per canonem: A Flight Through the Canon. Music Aesthetics and Affect in James Joyce". In seiner ausgezeichneten Arbeit beschäftigt sich Thomas Gurke mit der produktiven Wechselbeziehung zwischen Musik und Literatur bei James Joyce. 

Dr. des. Thomas Gurke, ausgezeichnet für die beste Dissertation 2014 der Philosophischen Fakultät. Foto: Franziska Dose

Wie sind Sie an das Projekt gekommen?
Ich habe hier mehrere Seminare besucht und dort wurde der "Ulysses" von James Joyce unterrichtet. Bei der Besprechung des Textes hat die Dozentin das elfte Kapitel "Sirenen" ausgelassen, mit der Begründung, es sei sehr kompliziert und die Zeit, um es zu erfassen, knapp. Mich hat das Thema gereizt und ich habe mich dann in meiner ersten Seminararbeit mit genau diesem Kapitel beschäftigt. Ich bin dann auch auf eigene Faust nach Dublin ans James Joyce Center gereist und habe mich dort mit dem Neffen von Joyce unterhalten können. Das war meine erste Begegnung mit Joyce.

Wie genau lassen sich Musik und Literatur vereinen?
Wenn man sich die Forschungsliteratur anschaut, dann sieht man, dass es drei größere Ansätze gibt. Es gibt eine Art Thematisierung, eine Evozierung und eine Imitation. Die Imitation ist für mich das interessanteste, weil es darum geht, wie Sprache versucht Musik nachzuahmen. Die eigentliche Hauptthese meiner Arbeit ist, dass es bei Joyce weniger um die Imitation von Musik geht, als um die Imitation von musikalischer Affektivität.

Gibt es eine besondere Verbindung zu James Joyce?
Meine Mutter ist Irin und dort wo meine Großmutter bis vor kurzem wohnte, wo ich auch aufgewachsen bin, da in der Ecke hat Joyce ziemlich oft gewohnt. Meine Oma jedoch bis zuletzt beteuerte, dass ich meine Zeit mit dieser "schmutzigen" Literatur vergeude würde.

Wie soll es bei Ihnen weitergehen? 
Ich bin jetzt nach wie vor hier an der HHU und werde jetzt als nächstes meine Dissertation publizieren sowie weiter hier unterrichten.

Welche Möglichkeiten bietet ein Abschluss aus der Philosophischen Fakultät in der Wirtschaft?
Das ist sehr schwierig. Vor ein paar Jahren war ich in dieser Situation und habe mich gefragt, was ich jetzt machen möchte. Als Student habe ich in der Vertrieb- und Marketingabteilung von Panasonic Industrial Europe gearbeitet und für mich festgestellt, dass das nicht das ist, was ich machen möchte. Ich hatte mich zwischenzeitlich auf alles Mögliche beworben. Da ich nebenbei regelmäßig ein Musikfestival organisiere, wollte ich mich in städtischen Kultureinrichtungen bewerben, um dies evtl. zu verbinden. Möglichkeiten gibt es also schon. Man muss nur früh genug die Weichen stellen bzw. herausfinden, was man nicht möchte.

Gab es während Ihrer Promotion etwas, dass sie an der HHU vermisst haben?
Diese Frage wird meist folgendermaßen beantwortet: es fehlt hier an Netzwerken, es fehlt am Austausch mit anderen Wissenschaftlern. Dies war sicherlich zu meiner anfänglichen Zeit als Promovend so. Andererseits, findet man solche Kontakte wenn man danach sucht. Es ist ja nicht so, dass keiner wollen würde. Vielleicht war es seinerzeit nur nicht organisiert. Als ich noch an meiner Magisterarbeit schrieb war ich regelmäßig mit Stipendiaten eines Graduiertenkollegs essen oder einen Kaffee trinken und dort konnte man sich gut untereinander austauschen. Ich habe so mitbekommen, was die anderen lesen und wie sie arbeiten. So wie das heute an den Graduiertenschulen ist, ist das meiner Meinung nach sehr sinnvoll. Ich denke aber auch, dass es die Möglichkeiten auch außerhalb der Graduiertenschulen gibt. Generell bringt der Austausch, besonders fächerübergreifend, sehr viel.

Was sind aus Ihrer Sicht Vorteile einer Promotion an der HHU?
Also was meine Joyce-Forschung betrifft: sehr gut! Meine Promotionsbetreuerin Prof. Seidel hat in der Bibliothek hierzu ein sehr großes Korpus an aktueller Forschungsliteratur aufgebaut und hatte darüber hinaus für mich wichtige Kontakte nach Zürich und Irland. Das hat es einem einfach gemacht. Mein Zweitgutachter und jetziger Vorgesetzter, Prof. Dr. Roger Lüdeke, lieferte eine weitere, exzellente Betreuung. Zudem hatte ich auch gewisse Freiheiten: ich konnte hier arbeiten und unterrichten, aber gleichzeitig eigenverantwortlich an meiner Promotion arbeiten. 

 

Das Interview führte Mareike Schulz im März 2015.

Zur Person

Thomas Gurke

Abschluss:
2006 - Magister in Anglistik, Amerikanistik und Musikwissenschaften an der HHU. 
Thema der Magisterarbeit: "Music and its Function in James Joyce´s Dubliners and Ulysses"

2015 - Dr. des. in Anglistik und Amerikanistik, HHU Düsseldorf

Thema der Dissertation:
"Fuga per canonem: A Flight Through the Canon. Music Aesthetics and Affect in James Joyce" " ausgezeichnet mit dem Promotionspreis der Phil. Fakultät 2014

Doktormutter: 
Prof. Dr. Therese Seidel, Institut für Anglistik und Amerikanistik der HHU

Zusätzliche Informationen:
Sommer 2012: UB-Special Collections Scholarship at the Humanities Institute, State University of New York at Buffalo, New York, USA.

Sommer 2009: Scholarship at the James Joyce Foundation in Zurich, Switzerland (Friends of the Zurich James Joyce Foundation Scholarships).

Winter 2005: Research-Scholarship at Trinity College Dublin, Ireland (DAAD-Stipendiate).

 

 

 

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