Im Interview mit Tina Strombach – PhD Studentin am Institut für Experimentelle Psychologie

Hintergrund: Tina Strombach hat ihr Projekt zum Thema „Neural correlates of social discounting“ in der renommierten Fachzeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Science) veröffentlicht. In Zusammenarbeit mit dem CENS (Center für Economics and Neuroscience) der Universität Bonn und der Universität Zürich hat sich das Forschungsteam des Instituts für Vergleichende Psychologie um Prof. Tobias Kalenscher mit dem Thema auseinandergesetzt, wie die soziale Distanz mit der Fähigkeit zu teilen zusammenhängt und welche Gehirnregionen dabei eine Rolle spielen.  Mit Hilfe von Hirnscans hat sich ergeben, dass bei der Entscheidungsfindung zwei Bereiche im Gehirn konkurrieren - Egoismus und Emphatie stehen sich gegenüber. Wie altruistisch wir unsere Entscheidungen treffen ist davon abhängig, ob uns eine nahestehende Person oder ein Unbekannter gegenübersteht.

PhD Studentin Tina Strombach des Instituts der Vergleichenden Psychologie der HHU. Foto: Andrea Ries

Wie genau sieht Ihr universitärer Werdegang aus? Waren Sie schon immer an der HHU?
Die Heinrich-Heine Universität ist eigentlich die erste staatliche Uni an der ich bin. Das ganze System war neu für mich und ich war erst einmal ein bisschen überfordert. Ich habe meinen Bachelor in Psychologie in Maastricht gemacht und habe da schon angefangen mich für Neuroökonomie zu interessieren und wollte dann nicht nur in der Psychologie bleiben. Aus diesem Grund bin ich dann an die Zeppelin Uni am Bodensee gegangen um dort meinen Master in Corporate Management and Economics (CME) zu machen.

Wie lassen sich die beiden Bereiche Wirtschaft und Psychologie verbinden?
Der Master ist nicht konsekutiv, dass bedeutet er ist darauf ausgelegt, dass auch Fach-Fremde diesen Studiengang studieren können. Es gibt ein paar Grundlagenkurse die man belegen muss und es ist Voraussetzung, dass man aus dem Social Science Bereich kommt, um daran anknüpfen zu können.

Wie sind Sie an Ihr PhD-Projekt gekommen?
Das war ein wenig Glück. Ich habe während des Masters eine Summer School in Amsterdam besucht und die wurde von Tobias Kalenscher, meinem jetzigen Chef, organisiert. Dann bin ich für meine Masterarbeit zu Bernd Weber an die Uniklinik nach Bonn gegangen. Dort habe ich an einer gemeinsamen Studie von Bernd Weber und Prof Kalenscher gearbeitet. Diese Arbeit war dann die Vorstudie für mein Dissertationsthema.

Was ist für Sie persönlich das Besondere an diesem Projekt?
Ich finde das Thema "Soziale Entscheidungen" sehr interessant, da es sehr lebensnah ist. Unser ganzes Leben besteht aus sozialen Entscheidungen und wird davon beeinflusst. Das Konzept des "Social Discounting" ist unglaublich intuitiv. Jeder versteht was damit gemeint ist. Wenn ich mich jemandem nah fühle teile ich gerne, wenn ich mein Gegenüber nicht kenne dann lieber nicht. Für mich war es sehr interessant herauszufinden, was passiert im Gehirn und wie werden diese Prozesse im Gehirn umgesetzt.

An diesem Projekt waren auch die Uni Bonn und die Uni Zürich beteiligt. Wie sah diese Zusammenarbeit genau aus?
In Bonn haben wir unsere Probanden gescannt, weil dort die Infrastruktur dafür sehr gut ist. Das bedeutet dort herrschte ein enger Kontakt, besonders weil ich auch dort für meine Masterarbeit war. Ich wurde als vollständiges Mitglied betrachtet und habe mehr oder weniger in beiden Arbeitsgruppen arbeiten können. In Zürich hatten Tobias Kalenscher und Philippe Tobler bereits zusammen an dem Thema gearbeitet, dass bedeutet die beiden kannten sich stärker damit aus und hatten schon ein Paradigma für die Tests entwickelt. Daran haben wir dann angeknüpft und das Thema ausgebaut.

Wie wird es bei Ihnen jetzt weiter gehen? Ist das Projekt für Sie jetzt komplett abgeschlossen?
Die Studie ist publiziert, dass bedeutet da ist jetzt eine Art Cut. Das Thema "Social Discounting" ist jedoch für mich persönlich noch nicht abgeschlossen. Besonders, weil man so viel Zeit und Arbeit investiert hat, die ganze Thematik zu verstehen und weiter zu entwickeln. Vorrausichtlich ab April werde ich bei Prof. Dr. Peter Kenning im Marketing Department der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät als Postdoc tätig werden. Da er ebenfalls an unserem Projekt beteiligt gewesen ist bleibe ich dem Gebiet treu.

In welcher Form hat Ihnen die Mitgliedschaft bei iGRAD genutzt?
Bei iGRAD habe ich an einigen Seminaren teilgenommen. Thematisch waren diese nicht unbedingt auf mein Projekt bezogen, aber ich denke es ist sinvoll sich mit anderen Doktoranden auszutauschen und zu sehen, wie es so an anderen Lehrstühlen läuft. Dadurch reflektiert man auch die eigene Arbeit nochmal objektiver.

Ein Fazit von Ihnen: Was macht die Experimentelle Psychologie an der HHU besonders?
Im Bereich der Methodik ist die Experimentelle Psychologie sehr gut, besonders was Statistiken und die Sauberkeit der Analysen angeht. Jede Arbeitsgruppe macht zwar so sein eigenes Ding, aber innerhalb der Arbeitsgruppen ist eine klare Themendefinition. Das finde ich sehr gut. Außerdem wird einem eine Kooperation zu anderen Unis sehr einfach gemacht.

Das Interview führte Mareike Schulz im Februar 2015.

 

 

Zur Person

Tina Strombach

PhD Projekt:
"Social Discounting involves modulation of neural value signals by temporopartietal junction"

Arbeitsgruppe:
Prof. Dr. Tobias Kalenscher, Abteilung Vergleichende Psychologie am Institut für Experimentelle Psychologie

Graduiertenausbildung:
Mitglied der interdisciplinary Graduate and Research Academy (iGRAD)

Publikationen:
Strombach T. et.al. (2015) PNAS Issue 112. Number 5. Early online pupblication: 6:1. doi/10.1073/pnas.1414715112

Strombach T. et.al. (2014). Behavioral Decision Making; doi: 10.1002/bdm.1802

Kalenscher T., Strombach T. (2013). Die Macht der Versuchung. Gehirn und Geist 10/2013.

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