Dr. Viviane Klingmann, mehrfach ausgezeichnete Nachwuchswissenschaftlerin im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin

Hintergrund: Dr. Viviane Klingmann forscht in einer Zusammenarbeit zwischen der hiesigen Kinderklinik und Prof. Dr. Breitkreuz vom Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie an Minitabletten, einer innovativen Darreichungsform, um Kindern die Medikamenteneinnahme zu erleichtern. Für Ihre Dissertation erhielt Sie diverse Preise, unter anderem den Selma- Meyer-Dissertationspreis 2015 der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. und den Preis für die Beste Dissertation 2015 der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität.

Dr. Viviane Klingmann, Foto: privat

Akademischer Werdegang
Nach dem Abitur an der Internationalen Deutschen Schule in Brüssel habe ich zum Wintersemester 2006 an der Heinrich-Heine-Universität mit dem Medizinstudium begonnen. Im Herbst 2012 folgte das zweite Staatsexamen. Anschließend habe ich umgehend meine Stelle an der Kinderklinik der hiesigen Universitätsklinik angetreten.

Was war für Sie der ausschlaggebende Punkt Medizin zu studieren?
Ich kannte meinen Berufswunsch bereits im Kindergarten und es gab zu keinem Zeitpunkt eine Alternative. Wenn wir im Kindergarten unseren Traumberuf malen mussten, habe ich immer einen Arzt gezeichnet. Für mich gab es nie etwas Anderes.

Was war der ausschlaggebende Grund nach Düsseldorf zu kommen?
Die Studienplätze für Medizin werden über die ZVS verteilt. Ich konnte sechs Wunschstädte angeben, unter anderem habe ich Düsseldorf ausgewählt. Dadurch, dass ich nicht in Deutschland mein Abitur abgelegt habe, wurde ich einem Bundesland, in meinem Fall NRW, zugelost und habe dadurch den Zuschlag für Düsseldorf bekommen.

Was bietet die HHU Medizinstudenten? Welche Vorteile sehen Sie? Haben Sie sich hier gut aufgehoben gefühlt?
Insgesamt fand ich die Lehre hier sehr gut und ich wusste mich gut betreut. Auch in den diversen Seminargruppen wurde intensiv auf uns Studenten eingegangen. Ich habe die gute Lernumgebung sehr geschätzt. Die Medical Research School ist meiner Meinung nach eine gute Institution, die eine effektive Zusammenarbeit von Doktorand und Doktorvater erleichtert. Ich war von Anfang an Mitglied in der MedRSD und habe davon profitieren können.

Welche Angebote der Medical Research School haben Sie genutzt?
Ich habe diverse Angebote genutzt. Unter anderem Kurse zu den Themen: „Schreibworkshop medizinische Dissertation“ und „Wissenschaftliches Präsentieren“. Diese Angebote fand ich als Ergänzung zum Studium äußerst hilfreich.

Sie haben 2012 den Posterpreis der Medical Research School erhalten. Was ist der Posterpreis und wie kann man sich den Ablauf vorstellen?
Die Medical Research School bietet jährlich einen Doktorandenkongress an, auf dem die Doktoranden die Möglichkeit bekommen, anhand von Postern und Vorträgen die eigene Dissertation vorzustellen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Dissertation in der Regel noch nicht abgeschlossen, weil Mediziner ihre Dissertation erst nach dem zweiten Staatsexamen einreichen können. Das bedeutet, die meisten, die an den Doktorandenkongressen teilnehmen, haben bereits einige Arbeit in ihre Dissertation gesteckt, sind jedoch noch keine approbierten Ärzte. Oftmals stellt man an dieser Stelle seine Dissertation zum ersten Mal in einem größeren Rahmen vor. Es wird ein Poster eingereicht und die Medical Research School entscheidet, ob dieses für den Kongress angenommen wird oder nicht. Anhand der Poster werden einige Doktoranden ausgewählt, die zusätzlich noch einen Vortrag über das Dissertationsthema halten. Eine Jury aus Professoren der Medizinischen Fakultät beurteilt die Poster und wählt das beste aus, das dann ausgezeichnet wird.

Im Rahmen des Posterpreises haben Sie eine finanzielle Unterstützung für den Besuch eines Kongresses erhalten. An welchem Kongress haben Sie teilgenommen?
Ich war in Straßburg auf einem pharmazeutischen Kongress, da das Thema meiner Dissertation primär in diesen Bereich fällt. Darüber hinaus habe ich mehrere Kongresse besucht, die sich mit den Bereichen klinische Pharmakologie und Pharmazie und dort speziell mit dem Bereich der Kinderpharmazie auseinander gesetzt haben.
Meine Doktorarbeit beinhaltete zwei klinische Studien, in denen wir insgesamt 366 Kinder rekrutiert hatten. Wir sind eine der ersten Gruppen in Europa, die Minitabletten, um die es in der Dissertation ging, untersucht haben. Ein großer Teil der zu diesem Thema veröffentlichten Publikationen stammt von unserer Arbeitsgruppe. Dadurch, dass wir damals mit diesem Thema begonnen haben, ohne dass es zuverlässige Vergleichsdaten gab, war das Interesse an unseren Ergebnissen natürlich sehr groß, sodass ich regelmäßig eingeladen wurde, die aktuellen Forschungsergebnisse auf internationalen Kongressen vorzustellen. Insgesamt haben wir aktuell vier klinische Studien abgeschlossen, die fünfte Studie läuft gerade und die sechste Studie ist in Planung, sodass man mit jeder Studie wieder auf neue Kongresse geht und die Ergebnisse in wissenschaftlichen Journals veröffentlicht.
Meine erste Posterpräsentation war auf einem Kongress in Oslo. Anschließend folgte die bereits erwähnte Konferenz in Straßburg, auf der ich zum ersten Mal vor einem großen Publikum einen Vortrag auf Englisch halten durfte. Danach folgten Vorträge und Präsentationen in Athen, München, Düsseldorf, Neuss und Innsbruck. Nun sind für dieses Jahr noch Vorträge in Lissabon und Dublin geplant. Das ist natürlich etwas Besonderes für mich. Auf den Konferenzen wird man dann gehört und gesehen und bekommt neue Einladungen zu weiteren Veranstaltungen.

Wird man während des Studiums darauf vorbereitet solche Vorträge zu halten?
Nein, wird man leider nicht. Den ersten Probevortrag habe ich in einem kleinen Rahmen vor den Mitarbeitern der Pharmazie proben können, trotzdem war der eigentliche Vortrag ein Sprung ins kalte Wasser.

Findet Ihre Forschung im Alleingang statt oder sind Sie in eine Gruppe eingebunden?
Grundsätzlich arbeiten wir in einer Arbeitsgruppe. Diese Arbeitsgruppe bestand initial aus Prof. Breitkreuz (vom Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie), meinem Doktorvater Prof. Meißner (Stellvertretender Leiter der hiesigen Kinderklinik) und einer Kommilitonin. Nach Abschluss der Dissertation wurde das Thema fortgeführt ohne meine Kommilitonin und Prof. Meißner hat das Projekt an einen oberärztlichen Kollegen, Dr. Bosse, übergeben.

Gab es in Ihrem Studium Auslandsaufenthalte?
Nein, im Ausland war ich nicht. Mir war es wichtig das Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen und nebenher meine Dissertation fertigzustellen. Dafür habe ich neben der Uni abends und an den Wochenenden in der Kinderklinik Patienten rekrutiert. Damit war ich an Düsseldorf gebunden, die Studien waren von der hiesigen Ethik-Kommission genehmigt zur Durchführung an der Universitätsklinik Düsseldorf.

Wie kam es, dass Sie sich für den Bereich der Kindermedizin entschieden haben?
Als ich angefangen habe zu studieren, dachte ich eigentlich daran, im Bereich der inneren Medizin tätig zu werden. Ich habe dann eine Famulatur in Reutlingen auf einer Station der inneren Medizin absolviert. Von dort aus konnte man auf die Wöchnerinnenstation schauen. Da habe ich mich zum ersten Mal für die Kinder interessiert. Das Problem in der Gynäkologie aber ist, dass man als Arzt die Kinder abgibt, sobald sie Kinder auf der Welt sind. Dann habe ich für meine Dissertation angefangen in der Kinderklinik zu arbeiten und habe mich dort direkt wohlgefühlt. Es ist ein ganz anderes Arbeitsklima. Alles ist viel bunter und fröhlicher, egal wie krank die Kinder sind, man bekommt häufig ein Lachen geschenkt und kann oft helfen, jungen Menschen eine gesündere Zukunft zu geben. Die Pädiatrie umfasst letztendlich die komplette innere Medizin mit Patienten zwischen 0 und 18 Jahren und ist damit sehr vielfältig.

Sie erhalten im Juli 2016 den Preis der Medizinischen Fakultät für die beste Dissertation 2015. Haben Sie sich darauf beworben oder wurden Sie vorgeschlagen?
Auf diesen Preis kann man sich nicht bewerben. Alle Promotionen eines Jahres, in meinem Fall 2015, werden begutachtet und die Promotionskommission entscheidet, welche der Dissertationen diesen Preis erhält.

Wie soll es bei Ihnen weitergehen?
Ich möchte weiterhin wissenschaftlich und klinisch tätig sein und weitere Studien zu kindgerechten Arzneiformen durchführen. Ich habe viel Energie und Herzblut in diese Studien gesteckt und möchte daran natürlich weiterarbeiten. Die Tätigkeit als Ärztin wird vorerst mein Arbeitsalltag bleiben und die Forschung zum großen Teil in der Freizeit erfolgen. Ich bin jetzt im vierten Weiterbildungsjahr der Pädiatrie. Fünf Jahre muss ich absolvieren, bevor ich Anfang 2018 meine Facharztprüfung ablegen kann. Ziel ist es, zeitnah zu habilitieren.

 

 

Das Interview führte Mareike Schulz im März 2016.

 

 

Zur Person

Dr. Viviane Klingmann

Abschluss:
Herbst 2012 - Staatsexamen an der HHU

Thema der Dissertation:
"Investigation of the suitability of three oral dosage forms for small childrens of different age groups."

Arbeitsgruppe:
Prof. Dr. Jörg Breitkreuz, Institut für Pharmazeutische Technologie & Biopharmazie, HHU.

Auszeichnungen
Selma-Meyer-Dissertationspreis 2015

Posterpreis der Medical Research School 2012

Promotionspreis der Medizinischen Fakultät 2015

Zusätzliche Informationen:
medRSD Mitglied

Stipendium der Vereinigung Rheinisch-Westfälischer Kinder und Jugendärzte und Kinderchirurgen

Publikationen:
Pilotstudie mit 60 Kindern: “Acceptance of uncoated mini-tablets in young children: results from a prospective exploratory cross-over study“, Archives of Disease in Childhood, 17.01. 2012, 97:283-286

Hauptstudie mit 306 Kindern: “Favourable acceptance of mini-tablets compared to syrup: a randomised controlled trial in small children”, Journal of Pediatrics, 2013;163:1728-32 

Neonatenstudie mit 151 Kindern: “Acceptability of Uncoated Mini-Tablets in Neonates - A Randomized Controlled Trial”, Journal of Pediatrics, 2015; 167:893-6

"Arzneiformen für Kinder/Paediatric Drug Dosage Forms", Pharmakon, 2016; 2/2016:134-40.

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenJunior Scientist and International Researcher Center